Tender Automation

· 9 Min Lesezeit · Paul Fel

Deutschland-Vergaben KW 35/2026: Die Ein-Bieter-Quote sinkt auf 16,9 Prozent — und eine neue Kennzahl zeigt, wo der Wettbewerb wirklich fehlt: Ohne Teilnahmewettbewerb bietet bei fast jedem zweiten Los genau einer

Zehnte Ausgabe unserer 14-tägigen Marktbeobachtung. Wir ziehen die Contract Award Notices aus TED — der offiziellen EU-Datenbank für öffentliche Aufträge — und sortieren, was in Deutschland tatsächlich vergeben wurde: wer hat gewonnen, in welchen Branchen, in welcher Größenordnung. Reine Daten, eigene Einordnung, keine Gerüchte.

Eine Anmerkung vorab: Für das Zwischenfenster (2. bis 16. August) haben wir die Daten wie immer erhoben, aber keine eigene Ausgabe veröffentlicht — Sommerpause. Die Zahlen dieses Fensters laufen hier als Vorperiode mit, es fehlt also kein Tag in der Reihe.

Diese Ausgabe hat zwei Nachrichten. Die erste ist eine gute: Die Ein-Bieter-Quote, die wir seit KW 31 je Los auswerten, sinkt im dritten Fenster in Folge — von 19,1 über 17,3 auf jetzt 16,9 Prozent der Lose. Die zweite ist die eigentliche Neuigkeit: Wir werten ab dieser Ausgabe zusätzlich die Verfahrensart je Los aus (eForms BT-105) und kreuzen sie mit der Bieteranzahl. Der erste Befund zeichnet ein scharfes Bild: Im offenen Verfahren bleibt etwa jedes achte Los bei einem einzigen Bieter (12,7 %) — im Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb ist es fast jedes zweite (47,7 %). Details und die ehrliche Einordnung, warum das kein Skandalwert ist, unten in der neuen Sektion.

Das Bild der Periode selbst: etwas weniger von allem, gleich hohe Dunkelziffer. Das publizierte Gesamtvolumen fällt auf 2,12 Mrd EUR (−23,7 %). Ein Teil davon ist Meldepraxis: 840 der 2.052 Zuschläge (40,9 %) kommen ohne publizierten Wert — kaum weniger als in der Vorperiode (42,3 %) —, und die Oberklasse jenseits der 20 Mio EUR schrumpft von 18 auf 15 Zuschläge. Das publizierte Volumen bleibt damit eine Untergrenze. Auch die Aktivität geht zurück, aber deutlich schwächer: 2.052 Zuschläge (−6,6 %) an 1.866 unterschiedliche Gewinnerfirmen (−5,9 %).

Die Eckdaten

Erhebungszeitraum: 16. August 2026 bis 30. August 2026 (14-Tage-Fenster; der 30. August war ein Sonntag ohne TED-Veröffentlichungen). Quelle: TED API v3, Filterung auf buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Vorperiode = das vorangehende 14-Tage-Fenster (2. – 16. August).

KennzahlKW 35/2026Vorperiode
Anzahl Zuschlagsbekanntmachungen2.0522.198 (−6,6 %)
Gesamtvolumen (publizierte Werte)2.118.523.425 EUR2.776.821.030 EUR (−23,7 %)
Eindeutige Gewinner-Firmen1.8661.983 (−5,9 %)
Ø publiziertes Volumen je Zuschlag~1,03 Mio EUR~1,26 Mio EUR (−18,3 %)
Zuschläge ohne publizierten Wert840 (40,9 %)929 (42,3 %)
Zuschläge > 20 Mio EUR1518 (−3)
Ø Bieter je Los (Median)7,4 (4)6,8 (4)
Lose mit nur einem Bieter572 von 3.384 (16,9 %)683 von 3.943 (17,3 %)

Wichtig für die Einordnung des Volumen-Rückgangs: Der Anteil der Zuschläge ohne Wert liegt seit Juli in jedem Fenster um 41 Prozent. Das publizierte Volumen ist deshalb immer eine Untergrenze, und ein Rückgang um knapp ein Viertel sagt vor allem etwas über die großen Einzelzuschläge: Die Klasse von 5 bis 20 Mio EUR fällt von 81 auf 60 Zuschläge, die Klasse über 20 Mio von 18 auf 15. In den kleinen und mittleren Wertklassen bewegt sich dagegen wenig — unter 100.000 EUR 210 statt 233 Zuschläge, zwischen 1 und 5 Mio EUR sogar 220 statt 201.

Wettbewerb je Los: Die Ein-Bieter-Quote sinkt — im dritten Fenster in Folge

Seit KW 31 lesen wir das eForms-Feld BT-759 („Anzahl eingegangener Angebote") systematisch mit aus — in dieser Periode liefern 2.028 der 2.052 Zuschläge (98,8 %) diese Angabe, zusammen 3.384 bezuschlagte Lose. Und zum ersten Mal können wir eine Entwicklung zeigen statt nur eines Standes:

Angebote je LosLoseAnteilVorperiode
genau 1 Bieter57216,9 %17,3 %
2–3 Bieter1.08532,1 %30,4 %
4–6 Bieter90126,6 %25,9 %
7–10 Bieter46613,8 %14,6 %
mehr als 10 Bieter36010,6 %11,7 %

Drei Beobachtungen. Erstens: Die Ein-Bieter-Quote sinkt über drei Perioden von 19,1 über 17,3 auf 16,9 Prozent. Drei Datenpunkte sind noch kein Trend, und der letzte Schritt ist klein — aber die Richtung ist in allen drei Fenstern dieselbe. Ob Sommergeschäft (kleinere, wettbewerbsintensivere Lose) oder echte Marktbelebung, werden die nächsten Ausgaben zeigen. Zweitens: Der Durchschnitt steigt weiter — 7,4 Bieter je Los, der höchste Wert der Reihe, nach 5,4 und 6,8 in den Vorperioden. Der Median bleibt dabei bei 4. Das heißt: Nicht die typische Vergabe wird umkämpfter; den Durchschnitt heben einzelne Lose mit sehr vielen Angeboten. Der Anteil der Lose mit mehr als zehn Angeboten liegt mit 10,6 Prozent sogar unter der Vorperiode (11,7 %). Drittens bleibt die alte Wahrheit: Ein Ein-Bieter-Los heißt nicht automatisch „ohne Wettbewerb geplant". Warum nur ein Angebot einging, sagen die Daten nicht — aber ab dieser Ausgabe können wir eine Schicht tiefer schauen. Womit wir bei der Neuigkeit wären.

Neu in dieser Ausgabe: Wettbewerb nach Verfahrensart — wo der eine Bieter herkommt

Jede eForms-Bekanntmachung nennt auch die Verfahrensart (BT-105): offenes Verfahren, Verhandlungsverfahren mit oder ohne Teilnahmewettbewerb, nicht offenes Verfahren. Ab dieser Ausgabe kreuzen wir diese Angabe mit der Bieteranzahl je Los. Das Ergebnis ist die aufschlussreichste Tabelle, die diese Reihe bisher hervorgebracht hat:

VerfahrensartLoseMedian BieterEin-Bieter-Quote
Offenes Verfahren2.498412,7 %
Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb519318,3 %
Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb279247,7 %
Nicht offenes Verfahren643,520,3 %

(64 Lose „nicht offenes Verfahren" tragen noch keine belastbare Quote, 13 Lose in Sonder-/Direktvergabe-Kategorien erst recht nicht — wir führen sie der Vollständigkeit halber, lesen aber nichts hinein.)

Die Schere ist deutlich: Im offenen Verfahren, in dem jeder anbieten darf, bleibt etwa jedes achte Los bei einem einzigen Angebot. Im Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb — dem Verfahren, das der Auftraggeber gezielt mit ausgewählten Unternehmen führt — ist es fast jedes zweite, und der Median liegt bei zwei Bietern.

Zur ehrlichen Einordnung: Das ist zunächst kein Beleg, dass das Verfahren den Wettbewerb „zerstört". Die Kausalität läuft zu einem guten Teil andersherum — das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb wird ja gerade dann gewählt, wenn der Auftraggeber glaubt, dass ohnehin nur ein oder wenige Anbieter in Frage kommen: Alleinstellung, Bestandsbindung, Dringlichkeit. Die 47,7 Prozent messen also weniger, was das Verfahren anrichtet, als was vor dem Verfahren schon feststand. Interessant ist die Zahl trotzdem, aus zwei Gründen. Erstens als Größenordnung: Gut die Hälfte dieser Verhandlungsverfahren findet eben doch mehr als einen Bieter — ganz so alternativlos, wie die Verfahrenswahl unterstellt, ist der Markt offenbar oft nicht. Und zweitens als Ausgangspunkt für die eigentliche Frage: Woher kommt die Annahme „kann ohnehin nur einer"? In den Leistungsverzeichnissen, die wir maschinell prüfen, sehen wir die Vorgeschichte regelmäßig — das Bestandssystem, auf das alles Neue passen muss, die produktscharfe Spezifikation aus der letzten Vergabe. Die Alleinstellung von heute wurde oft in der Ausschreibung von gestern hergestellt.

Diese Kennzahl läuft ab jetzt in jeder Ausgabe mit — dann auch mit Periodenvergleich, sodass sichtbar wird, ob die 47,7 Prozent ein Ausreißer oder ein Strukturmerkmal sind.

Branchen-Verteilung

Die Mengen-Rangliste behält ihre Stammbesetzung — Bau vorn, dahinter die Ingenieurdienstleistungen und „Sonstige", danach Fahrzeuge und die Umweltdienstleistungen. Den höchsten Schnitt je Auftrag stellt diesmal die Sammelkategorie „Sonstige" mit 1,47 Mio EUR.

KategorieZuschlägeVolumenØ je Auftrag
Bauleistungen (CPV 45)709858,7 Mio EUR1,21 Mio EUR
Architektur, Ingenieurwesen, technische Dienstleistungen (CPV 71)399149,7 Mio EUR0,38 Mio EUR
Sonstige307451,3 Mio EUR1,47 Mio EUR
Transportausrüstung, Fahrzeuge (CPV 34)12142,6 Mio EUR0,35 Mio EUR
Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt (CPV 90)11768,0 Mio EUR0,58 Mio EUR

Die fünf mengenstärksten Kategorien decken 1.653 der 2.052 Zuschläge ab (80,6 %) und 74,1 Prozent des publizierten Volumens (rund 1,57 Mrd EUR). Der Rest des Volumens liegt vor allem in Kategorien mit wenigen, dafür großen Zuschlägen — die beiden Fsas-Bekanntmachungen über je 103 Mio EUR etwa stehen unter Software und Informationssystemen, Accenture unter den IT-Dienstleistungen.

Der Bau bleibt der Taktgeber: 709 Zuschläge (34,6 %) und 858,7 Mio EUR, 40,5 Prozent des publizierten Volumens — nach 796 Zuschlägen und 1,13 Mrd EUR in der Vorperiode. Die Ingenieur-Division (CPV 71) hält mit 399 Zuschlägen (Vorperiode: 411) ihr Niveau und ihren notorisch kleinteiligen Schnitt von 0,38 Mio EUR je Auftrag. Die Fahrzeug-Kategorie (CPV 34) geht von 133 auf 121 Zuschläge zurück und stellt mit 0,35 Mio EUR je Auftrag diesmal den kleinteiligsten Bereich.

Top 10 aktivste Bidder

Wer hat in den 14 Tagen die meisten Zuschläge eingefahren? Aggregation pro Gewinner über alle 2.052 Bekanntmachungen. Die Volumen-Spalte zeigt den publizierten Wert aller Zuschläge des jeweiligen Gewinners — bei Rahmenverträgen und Mehrfach-Losen oft nur ein Bruchteil der tatsächlichen Auftragssumme.

#GewinnerWinsVolumen (publiziert)Hauptbranche
1Telekom Deutschland GmbH82,85 Mio EURTelekommunikation (Sonstige)
2Siemens Mobility GmbH70 EUR (siehe Text)Bahn-/Verkehrstechnik
3Lavette GmbH61,24 Mio EURAbwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt
4Plastimat GmbH60,54 Mio EURTransportausrüstung (CPV 34)
5Andic GmbH50,54 Mio EURBau
6Rosenbauer Deutschland GmbH48,18 Mio EURTransportausrüstung (CPV 34)
7KAEFER Deutschland Pro Services GmbH47,94 Mio EURBau
8GlasfaserPlus GmbH45,44 Mio EURTelekommunikation (Sonstige)
9SVA System Vertrieb Alexander GmbH41,21 Mio EURSoftware, Informationssysteme
10IPROconsult GmbH40,87 Mio EURIngenieurleistungen

Die Liste ist diesmal ausgesprochen breit gestreut — an der Spitze ein Telekommunikationsanbieter mit acht Zuschlägen bei knapp drei Millionen publiziertem Volumen, dahinter Bahntechnik, Umweltdienstleistung, Fahrzeugausstattung und Bau mit typischen Losgrößen. Mit ebenfalls vier Zuschlägen folgen drei weitere Firmen knapp dahinter (Elektroplanung Will, think about it, Hitachi Rail GTS Deutschland). Ein Eintrag verdient eine Erklärung: Siemens Mobility steht mit sieben Zuschlägen, aber null EUR publizierten Werts in der Liste — ein bekanntes Melde-Artefakt: Bei Rahmenvereinbarungen wird gelegentlich kein oder ein symbolischer Wert eingetragen; der tatsächliche Auftragswert lässt sich den Bekanntmachungen nicht entnehmen. Die großen Volumina dieser Periode stehen dagegen nicht in dieser Liste, sondern in einzelnen Großzuschlägen (siehe unten).

Top 5 größte Einzelzuschläge

Die Brocken der Periode — und an der Spitze liegen zwei sehr verschiedene Aufträge fast gleichauf: ein Bauvorhaben und ein Verpflegungsvertrag.

  1. rund 114,6 Mio EUR · Bauleistungen — die MBN Bau GmbH. Auftraggeber ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (Niederlassung Dortmund); Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb, zwei Angebote. Mit 5,4 Prozent des Gesamtvolumens ist der größte Einzelzuschlag diesmal im Verhältnis vergleichsweise klein (Vorperiode: 7,9 %).
  2. rund 114,1 Mio EUR · Sonstige — die SV Business Catering GmbH, einer der großen Betriebsgastronomie-Anbieter in Deutschland. Auftraggeber sind die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege; Größenordnung und Kategorie sprechen für einen mehrjährigen Verpflegungs-Rahmenvertrag. Ein Angebot.
  3. je rund 103,0 Mio EUR · Software, Informationssysteme — die Fsas GmbH, in zwei Bekanntmachungen des Landes Niedersachsen (IT.Niedersachsen) mit gleichem Wert und gleichem Datum. Wir übernehmen beide, wie sie veröffentlicht wurden, und zählen sie deshalb auf den Plätzen 3 und 4. Offenes Verfahren, ein bis zwei Angebote je Los.
  4. rund 82,3 Mio EUR · IT-Dienstleistungen — die Accenture GmbH, beauftragt vom Entwicklungsverbund der Länder (vertreten durch den Freistaat Bayern). Kategorie und Größenordnung deuten auf einen großen IT-Umsetzungs- oder Betriebsrahmen; ein Angebot.

Die fünf größten Zuschläge summieren sich auf rund 517 Mio EUR — 24,4 Prozent des gesamten publizierten Volumens, weniger als in der Vorperiode (30,3 %). Die Konzentration an der Spitze ist damit geringer geworden; dahinter bleibt eine breite Oberklasse: 15 Zuschläge überschreiten die 20-Mio-Marke (Vorperiode: 18).

Wert-Verteilung — wo das Volumen tatsächlich liegt

Die Vergabe-Realität für die meisten Bieter liegt unverändert in den unteren und mittleren Wert-Klassen — und diese Ausgabe zeigt dort ein stabiles Bild:

Wert-KlasseAnzahl ZuschlägeAnteilVorperiode
< 100k €21010,2 %233
100k - 500k €51525,1 %533
500k - 1 Mio €1929,4 %203
1 - 5 Mio €22010,7 %201
5 - 20 Mio €602,9 %81
> 20 Mio €150,7 %18
Wert nicht publiziert84040,9 %929

Die Mittelstand-Zone hält ihr Niveau: 515 Zuschläge zwischen 100.000 und 500.000 EUR — 42,5 Prozent aller Zuschläge mit Wert —, dazu ein leichtes Plus in der Klasse 1–5 Mio (201 → 220). Der Rückgang konzentriert sich auf die Klasse 5–20 Mio (81 → 60) und die Oberklasse. Unter 100.000 EUR geht die Zahl leicht zurück (233 → 210), während der Block ohne Wert um 89 Zuschläge kleiner wird. Für die Volumen-Statistik sind die Kleinen verzichtbar; für die Transparenz nicht.

Was im Zehn-Perioden-Vergleich auffällt

1. Der Sommer ist ruhiger — gleichmäßig. Über die letzten vier erhobenen Fenster sinkt die Zahl der Zuschläge stetig von 2.404 über 2.258 und 2.198 auf 2.052, die Zahl der Gewinnerfirmen von 2.167 auf 1.866 — während das publizierte Volumen von 2,97 über 3,33 und 2,78 auf jetzt 2,12 Mrd EUR springt. Die Zahl der Vergaben bewegt sich also gleichmäßig; was stark schwankt, sind die großen Tickets.

2. Die Ein-Bieter-Quote bewegt sich — nach unten. 19,1 → 17,3 → 16,9 Prozent über drei erhobene Perioden. Zusammen mit dem Reihenhoch beim Durchschnitt (7,4 Bieter je Los) und dem stabilen Median (4) heißt das: etwas weniger völlig unbestrittene Lose, bei unveränderter typischer Vergabe. Ob das Sommer-Saison oder Struktur ist, klärt der weitere Verlauf der Reihe.

3. Die Verfahrensart erklärt einen großen Teil der Ein-Bieter-Lose. Die neue BT-105-Auswertung zeigt: Im offenen Verfahren liegt die Ein-Bieter-Quote bei 12,7 Prozent, im Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb bei 47,7 Prozent bei einem Median von zwei Bietern. Ein erheblicher Teil der Solo-Zuschläge entsteht also dort, wo der Auftraggeber von vornherein nur mit ausgewählten Unternehmen verhandelt — die Wettbewerbsfrage wird in diesen Fällen vor dem Verfahren entschieden, nicht darin.

4. Die Dunkelziffer bleibt auf hohem Niveau. 40,9 Prozent der Zuschläge ohne publizierten Wert, nach 42,3 Prozent in der Vorperiode — seit Juli liegt der Anteil in jedem Fenster um 41 Prozent. Der ausgewiesene Volumen-Rückgang von knapp 24 Prozent ist deshalb mit Vorsicht zu lesen: Ein großer Teil des Marktes findet schlicht außerhalb der publizierten Zahlen statt.

Methodologie

Daten gezogen via TED API v3, gefiltert auf publication-date im 14-Tage-Fenster mit buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Aggregation pro Gewinner über Firmenname (mit weichem Fuzzy-Matching, damit Schreibvarianten desselben Unternehmens zusammenfallen). Volumina sind die offiziell publizierten Auftragswerte; nicht-publizierte Werte fließen nicht in die Gesamt-Volumen-Zahl ein. Da 840 von 2.052 Zuschlägen (40,9 %) ohne Wert veröffentlicht werden, ist das publizierte Gesamtvolumen eine Untergrenze. CPV-Klassifikation auf Division (zweistellig).

Bieter-Statistik: Quelle ist das eForms-Feld BT-759 („Anzahl eingegangener Angebote") je Los-Ergebnis; wir zählen je Los, nicht je Bekanntmachung (3.384 Lose aus 2.028 Bekanntmachungen mit Angabe; 98,8 % Abdeckung). Die Angabe stammt vom Auftraggeber selbst; einzelne Meldefehler sind möglich, und die Zahl sagt nichts darüber, wie viele Angebote wertbar waren. Neu — Verfahrensart: Das Feld BT-105 („Art des Verfahrens") lesen wir seit Ende August mit aus; diese Ausgabe ist die erste mit voller Fenster-Abdeckung. 3.373 der 3.384 Lose tragen eine auswertbare Verfahrensart. Kleine Gruppen (nicht offenes Verfahren: 64 Lose, Sonderkategorien: 13 Lose) weisen wir aus, interpretieren sie aber nicht. Quelle TED, Lizenz CC BY 4.0.

Den vollständigen Mining-Ansatz beschreiben wir im Artikel zu TED CAN Sales Intelligence — wer das selbst nachbauen will, kommt mit einem halben Tag Engineering aus.

Fazit

14 Tage, 2.052 Zuschläge, 2,12 Milliarden Euro publiziertes Volumen, 1.866 unique Gewinnerfirmen. Das ausgewiesene Volumen fällt gegenüber der Vorperiode um knapp ein Viertel — bei 40,9 Prozent Zuschlägen ohne publizierten Wert ist dieser Rückgang aber nicht für bare Münze zu nehmen. An der Spitze ein ungewöhnliches Bild: Die beiden größten Zuschläge der Periode sind ein 115-Mio-Bauauftrag und ein 114-Mio-Catering-Vertrag, dahinter zwei IT-Zuschläge des Landes Niedersachsen und Accenture mit 82 Mio.

Die eigentliche Nachricht dieser Ausgabe ist aber die neue Kennzahl: Wettbewerb hängt an der Verfahrensart. Im offenen Verfahren bleibt etwa jedes achte Los bei einem Bieter, im Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb fast jedes zweite. Für Bieter heißt das zweierlei: Die sinkende Ein-Bieter-Quote (16,9 %) bedeutet nicht, dass die dünn besetzten Felder verschwinden — ein großer Teil liegt dort, wo man eingeladen werden muss. Und wer im offenen Verfahren systematisch findet, was zum eigenen Sortiment passt, trifft immer noch alle zwei Wochen auf über 300 Lose, bei denen ein einziges solides Angebot genügt hätte. Genau dabei setzt Tender Automation an: Bieter laden ihr Leistungsverzeichnis hoch, das Tool extrahiert die Positionen und identifiziert die relevanten Hersteller — Position für Position, statt Überschriften-Raten. Mehr unter tenderautomation.de. Nächste Ausgabe dieser Reihe: in zwei Wochen — dann mit dem ersten Periodenvergleich der Verfahrensart-Kennzahl.

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