Tender Automation

· 8 Min Lesezeit · Paul Fel

Deutschland-Vergaben KW 37/2026: Die Ein-Bieter-Quote steigt auf 20,8 Prozent — und ohne Teilnahmewettbewerb bleibt bei drei von vier Losen genau ein Angebot

Elfte Ausgabe unserer 14-tägigen Marktbeobachtung. Wir ziehen die Contract Award Notices aus TED — der offiziellen EU-Datenbank für öffentliche Aufträge — und sortieren, was in Deutschland tatsächlich vergeben wurde: wer hat gewonnen, in welchen Branchen, in welcher Größenordnung, und wie viele Angebote lagen auf dem Tisch. Reine Daten, eigene Einordnung, keine Gerüchte.

Vor zwei Wochen hatten wir einen weiteren Rückgang der Ein-Bieter-Quote gemeldet: 16,9 Prozent der Lose mit genau einem Angebot, der tiefste Wert der Reihe. Diese Ausgabe dreht das Bild um. 20,8 Prozent aller bezuschlagten Lose hatten genau einen Bieter — der höchste Wert, seit wir das Feld auswerten. Und die Kennzahl, die wir in KW 35 neu eingeführt haben, zeigt jetzt im dritten Fenster, wo dieser eine Bieter herkommt: Im Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb blieb es bei 73,7 Prozent der Lose bei einem einzigen Angebot — nach 47,7 und 76,0 Prozent in den beiden Fenstern davor. Warum diese Zahl weniger dramatisch ist, als sie klingt, und wo sie trotzdem etwas über den Markt sagt, steht weiter unten.

Das Bild der Periode selbst: gewohnter Takt, gleiche Dunkelziffer. 2.168 Zuschläge, 1.946 verschiedene Gewinnerfirmen, 2,17 Milliarden Euro publiziertes Volumen — und 850 Zuschläge (39,2 Prozent) ohne veröffentlichten Wert. Der Anteil liegt damit knapp unter dem der Vorperiode (40,9 Prozent); rund 40 Prozent sind in dieser Reihe Normalität.

Die Eckdaten

Erhebungszeitraum: 30. August 2026 bis 12. September 2026 (14-Tage-Fenster). Quelle: TED API v3, Filterung auf buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Vorperiode = das vorangehende 14-Tage-Fenster (16. – 30. August, Ausgabe KW 35).

KennzahlKW 37/2026Vorperiode
Anzahl Zuschlagsbekanntmachungen2.1682.052 (+5,7 %)
Gesamtvolumen (publizierte Werte)2.174,9 Mio EUR2.118,5 Mio EUR (+2,7 %)
Zuschläge mit publiziertem Wert1.3181.212
Eindeutige Gewinner-Firmen1.9461.866 (+4,3 %)
Zuschläge ohne publizierten Wert850 (39,2 %)840 (40,9 %)
Zuschläge > 20 Mio EUR1615
Ø Bieter je Los (Median)7,7 (3)7,4 (4)
Lose mit nur einem Bieter693 von 3.325 (20,8 %)572 von 3.384 (16,9 %)

Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens: Die Aktivität ist stabil — 2.168 gegenüber 2.052 Zuschlägen, das publizierte Volumen leicht darüber, die Zahl der Gewinner ebenfalls. Nichts davon ist eine Nachricht. Zweitens: Der Median der Bieter je Los fällt von 4 auf 3, während der Durchschnitt leicht auf 7,7 steigt. In KW 35 hatten wir festgehalten, dass der Durchschnitt von einzelnen Losen mit sehr vielen Angeboten getragen wird, nicht von der typischen Vergabe. Diese Periode bestätigt das: Die typische Vergabe hat ein Angebot weniger, auch die Lose mit mehr als zehn Angeboten sind etwas seltener (334 statt 360) — den Durchschnitt heben wenige Lose mit sehr großen Bieterfeldern.

Wettbewerb je Los: Die Ein-Bieter-Quote steigt deutlich

Seit KW 31 lesen wir das eForms-Feld BT-759 („Anzahl eingegangener Angebote") systematisch mit aus. In dieser Periode liefern 2.154 der 2.168 Zuschläge (99,4 Prozent) die Angabe, zusammen 3.325 bezuschlagte Lose.

Angebote je LosLoseAnteilVorperiode
genau 1 Bieter69320,8 %16,9 %
2–3 Bieter1.02030,7 %32,1 %
4–6 Bieter84925,5 %26,6 %
7–10 Bieter42912,9 %13,8 %
mehr als 10 Bieter33410,0 %10,6 %

Die Reihe der Ein-Bieter-Quote lautet damit über die letzten Fenster: 19,1 — 17,3 — 16,9 — 20,8 Prozent. Die tiefen Werte fielen in den Sommer, dieser nicht. Wer die Zwischenfenster mitrechnet (wir erheben wöchentlich, veröffentlichen alle zwei Wochen), sieht, wann der Anstieg kam: 16,9 Prozent für 16. bis 30. August, 20,7 Prozent für 23. August bis 6. September, 20,8 Prozent für dieses Fenster. Der Sprung zeigt sich also schon im Zwischenfenster; seither hält die Quote das neue Niveau — eine Rückkehr auf das Niveau des Frühsommers und leicht darüber.

Was dahintersteckt, sagen die Aggregate nicht. Zwei Erklärungen sind plausibel und schließen sich nicht aus: Nach der Sommerpause werden viele kleinere Vergaben bezuschlagt, deren Angebotsphase in den Ferien lag — dünn besetzte Felder sind dort häufiger. Und die Verfahrensart-Verteilung hat sich verschoben, wie die nächste Tabelle zeigt.

Wettbewerb nach Verfahrensart: drei von vier Losen ohne Teilnahmewettbewerb bleiben bei einem Angebot

Seit KW 35 kreuzen wir die Verfahrensart je Los (eForms BT-105) mit der Bieteranzahl. Drei Fenster liegen jetzt vor — genug für einen ersten Verlauf, aber noch nicht für eine Regel.

Balkendiagramm: Ein-Bieter-Quote je Verfahrensart, 30. August bis 12. September 2026. Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb 73,7 Prozent (190 Lose), nicht offenes Verfahren 19,3 Prozent (83 Lose), Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb 18,8 Prozent (393 Lose), offenes Verfahren 17,2 Prozent (2.634 Lose).
Ein-Bieter-Quote je Verfahrensart, 3.325 Los-Ergebnisse mit Bieteranzahl. Quelle: TED (BT-759 × BT-105), eigene Auswertung.
VerfahrensartLoseMedian BieterEin-Bieter-Quote23.08. – 06.09.16.08. – 30.08.
Offenes Verfahren2.634417,2 %16,2 %12,7 %
Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb393318,8 %19,7 %18,3 %
Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb190173,7 %76,0 %47,7 %
Nicht offenes Verfahren83619,3 %14,4 % (104 Lose)20,3 % (64 Lose)

Drei Beobachtungen, in der Reihenfolge ihrer Belastbarkeit. Erstens, belastbar: Das offene Verfahren trägt den Markt — 2.634 der 3.325 Lose — und auch dort steigt die Ein-Bieter-Quote, von 12,7 über 16,2 auf 17,2 Prozent. Der Gesamtanstieg auf 20,8 Prozent kommt also nicht allein aus den Sonderverfahren; er findet in der Breite statt. Zweitens, belastbar: Die drei wettbewerblichen Verfahrensarten liegen eng beieinander — offenes Verfahren 17,2, Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb 18,8, nicht offenes Verfahren 19,3 Prozent. Wo nach einem Teilnahmewettbewerb eingeladen wird, ist das Feld also kaum anders besetzt als im offenen Verfahren; das nicht offene Verfahren hat mit einem Median von sechs Bietern sogar die meisten Angebote je Los. Drittens, mit Vorsicht: 73,7 Prozent Ein-Bieter-Lose im Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb klingen nach einem Befund. Es sind aber 190 Lose, und die Aggregate sagen nicht, ob dahinter 190 Vergabestellen stehen oder wenige mit vielen Losen. Dazu kommt, was diese Verfahrensart ist: Sie wird gewählt, wenn aus Sicht der Vergabestelle nur ein Anbieter in Frage kommt — Folgeaufträge, Schutzrechte, dringende Fälle. Dass dort ein Angebot eingeht, ist dann kein Wettbewerb, der ausgeblieben ist, sondern einer, der vorher entschieden wurde. Bemerkenswert ist der Verlauf: 48 — 76 — 74 Prozent in drei Fenstern; der Sprung liegt zwischen dem ersten und dem zweiten Fenster, seither hält das Niveau. Ob das eine Verschiebung im Verfahrenseinsatz ist oder ein Sommereffekt bei kleinen Zahlen, zeigen die nächsten Ausgaben. Wir halten die Zahl weiter nach, ziehen aber keine Schlüsse, die sie nicht trägt.

Branchen-Verteilung

KategorieZuschlägePubliziertes Volumen
Bauleistungen793827,2 Mio EUR
Architektur, Ingenieur- und technische Dienste363321,8 Mio EUR
Sonstiges356416,0 Mio EUR
Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt13382,1 Mio EUR
Fahrzeuge, Transportmittel10755,3 Mio EUR

Bau bleibt die größte Kategorie, nach Anzahl wie nach Volumen — 793 Zuschläge und 827 Millionen Euro, gut 38 Prozent des publizierten Gesamtvolumens. Die Ingenieur- und technischen Dienste kommen auf 321,8 Millionen Euro, fast zwei Drittel davon aus einem einzigen Rahmenvertrag der Deutschen Bahn (siehe unten). Auffällig ist die Kategorie „Sonstiges" mit 356 Zuschlägen und 416 Millionen Euro: Dort sammelt sich, was die CPV-Hauptgruppen nicht sauber trennen — Verkehrsleistungen, Einkaufsdienstleistungen, Beschaffungen mit gemischtem Gegenstand. Zwei der fünf größten Einzelzuschläge dieser Periode stehen in dieser Sammelkategorie, und das ist eher ein Hinweis auf die Grenzen der CPV-Klassifikation als auf den Markt.

Top 10 aktivste Bidder

#GewinnerZuschläge
1N-ERGIE AG22
2PRISMA European Capacity Platform GmbH9
3MAN Truck & Bus Deutschland GmbH5
4Hitachi Rail GTS Deutschland GmbH5
5SVA System Vertrieb Alexander GmbH4
6Philips GmbH4
7Siemens AG4
8Sauter-Cumulus GmbH4
9Thermo Fisher Scientific GmbH4
10Deutscher Straßen-Dienst GmbH4

Ein Energieversorger an der Spitze mit 22 Zuschlägen ist kein Zeichen für 22 gewonnene Wettbewerbe, sondern meist für ein Verfahren mit vielen Losen — Netzbetreiber und Versorger tauchen in dieser Liste regelmäßig so auf. Dahinter das gewohnte Bild: der Betreiber einer Gasnetz-Kapazitätsplattform, Nutzfahrzeuge und Bahntechnik, dazu ein IT-Systemhaus, Medizin- und Labortechnik, Gebäudeautomation und Straßendienst. Wer in dieser Liste steht, hat in den 14 Tagen mehrere Einzelaufträge oder ein Losbündel gewonnen; für die Frage, wer Marktanteile hält, ist die Volumensicht unten aussagekräftiger.

Top 5 größte Einzelzuschläge

  1. Rahmenvertrag der Deutschen Bahn mit rund 50 Ingenieur- und Prüfunternehmen — 199,2 Mio EUR (Architektur, Ingenieur- und technische Dienste). Planungs- und Ingenieurleistungen für Verkehrsanlagen, vergeben von der DB Konzernleitung an einen großen Kreis von Büros, darunter Arcadis, TÜV SÜD Rail, DB Engineering & Consulting, GFK und Ramboll; Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb, vier Lose mit 9 bis 27 Angeboten.
  2. thinkRED GmbH und Converge Technology Solutions Germany — 130,2 Mio EUR (Software, Informationssysteme). Auftraggeber sind die Länder Rheinland-Pfalz und Saarland, vertreten durch den Landesbetrieb Daten und Information; offenes Verfahren, drei Lose mit ein bis zwei Angeboten.
  3. Bilfinger Industrial Services GmbH — 85,0 Mio EUR (Bauleistungen). Ein Industriedienstleister, beauftragt von den Stadtwerken Duisburg; Instandhaltung und Anlagentechnik, nicht Hochbau.
  4. Bietergemeinschaft go.on Gesellschaft für Bus- und Schienenverkehr — 80,6 Mio EUR (Verkehr). Die Bietergemeinschaft ist in der Quelle mehrfach genannt; wir übernehmen die Nennung, wie sie veröffentlicht wurde, und zählen sie nicht zusammen.
  5. Sana Einkauf & Logistik GmbH — 65,6 Mio EUR (Sonstiges). Einkaufs- und Logistikdienstleistungen für das Städtische Klinikum Dessau — die Art Zuschlag, die in der CPV-Sammelkategorie landet.

Die fünf größten Zuschläge summieren sich auf rund 561 Mio EUR, 25,8 Prozent des publizierten Volumens.

Wert-Verteilung — wo das Volumen tatsächlich liegt

WertklasseZuschlägeVorperiode
unter 100.000 EUR229210
100.000 – 500.000 EUR587515
500.000 – 1 Mio EUR208192
1 – 5 Mio EUR226220
5 – 20 Mio EUR5260
über 20 Mio EUR1615
nicht veröffentlicht850 (39,2 %)840 (40,9 %)

Die Dunkelziffer bleibt, wo sie war: 850 von 2.168 Zuschlägen ohne veröffentlichten Wert, 39,2 Prozent — in den drei wöchentlichen Fenstern davor 41,1, 40,9 und 40,8 Prozent. Seit Juli liegt der Anteil in jedem Fenster zwischen 39 und 43 Prozent, ein Plateau um 40 Prozent. Für jede Volumenaussage in dieser Reihe heißt das: Das publizierte Volumen ist eine Untergrenze, und der Vergleich zweier Perioden vergleicht vor allem, wie viel gemeldet wurde. Die typische Vergabe liegt unverändert zwischen 100.000 und 500.000 Euro — 587 Zuschläge, 44,5 Prozent aller mit Wert.

Was im Elf-Perioden-Vergleich auffällt

Die Ein-Bieter-Quote ist keine Einbahnstraße. Nach 19,1 — 17,3 — 16,9 jetzt 20,8 Prozent. Der Rückgang im Sommer war nicht der Beginn eines Trends. Wer Wettbewerbsdichte über Zeit beobachten will, braucht mehr als drei Datenpunkte — wir haben jetzt vier und bleiben vorsichtig.

Verfahrensart und Warengruppe trennen beide scharf. Innerhalb eines Fensters liegen zwischen dem offenen Verfahren (17,2 Prozent) und dem Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb (73,7 Prozent) gut 56 Punkte; zwischen den Warengruppen ist die Spanne ähnlich groß — Bau 9,3 Prozent, Fahrzeuge 52,0 Prozent, Labor- und Präzisionsgeräte 79,4 Prozent (Warengruppen mit mindestens 40 Losen). Wer wissen will, wo ein einzelnes gutes Angebot genügt hätte, schaut auf beides: auf das Verfahren und auf die CPV-Gruppe.

Die Nichtmeldung ist zur Regel geworden. Jedes Fenster seit Juli um 40 Prozent ohne Wert. Das ist kein Ausreißer mehr, den man wegdiskutieren kann — es ist der Zustand der deutschen Zuschlagsbekanntmachung im Jahr 2026.

Methodologie

Datenquelle: TED Search API v3, Abfrage auf Zuschlagsbekanntmachungen (Contract Award Notices) mit Käuferland Deutschland, Veröffentlichungsdatum im 14-Tage-Fenster. Werte nur, wo veröffentlicht; Gesamtvolumen und Durchschnitt beziehen sich auf die 1.318 Zuschläge mit Wert. Kategorien aus der CPV-Hauptgruppe des Zuschlags. Bieteranzahl je Los aus BT-759, Verfahrensart aus BT-105; 2.154 der 2.168 Zuschläge tragen eine auswertbare Bieteranzahl, zusammen 3.325 Los-Ergebnisse. Mehrfachnennungen von Bietergemeinschaften und Losbündeln übernehmen wir, wie sie in der Quelle stehen — wir zählen nicht zusammen, was die Vergabestelle getrennt gemeldet hat. Die Zwischenfenster (23. August bis 6. September) stammen aus der wöchentlichen Erhebung und überlappen mit den veröffentlichten Ausgaben. Quelle TED, Lizenz CC BY 4.0.

Den vollständigen Mining-Ansatz beschreiben wir im Artikel zu TED CAN Sales Intelligence.

Fazit

14 Tage, 2.168 Zuschläge, 2,17 Milliarden Euro publiziertes Volumen, 1.946 Gewinnerfirmen, 39,2 Prozent ohne Wert. Die Aktivität ist unverändert, die Dunkelziffer auch. Neu ist die Richtung der Wettbewerbskennzahl: 20,8 Prozent der Lose mit genau einem Angebot, der höchste Wert der Reihe, und ein Anstieg, der auch das offene Verfahren erfasst.

Für Bieter heißt das: Die dünn besetzten Felder sind nicht verschwunden, sie sind zahlreicher geworden — fast 700 Lose in zwei Wochen, bei denen ein einziges Angebot genügt hat, davon 453 im offenen Verfahren, wo jeder mitbieten darf. Wer diese Verfahren findet, bevor die Frist läuft, und in Minuten prüfen kann, ob die Eignungsanforderungen zu ihm passen, hat einen Vorteil, den keine Preisstrategie ersetzt. Genau dafür bauen wir Tender Automation: Suche über die deutschen Vergabeportale, Eignung in Kürze aus den Originalunterlagen, jede Angabe mit Fundstelle. Nächste Ausgabe dieser Reihe: in zwei Wochen.

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