Deutschland-Vergaben KW 31/2026: 1,37 Milliarden Euro, 1.137 Zuschläge — und eine Premiere: Wir zählen jetzt die Bieter. Bei jedem fünften Los tritt genau einer an
Neunte Ausgabe unserer 14-tägigen Marktbeobachtung. Wir ziehen die Contract Award Notices aus TED — der offiziellen EU-Datenbank für öffentliche Aufträge — und sortieren, was in Deutschland tatsächlich vergeben wurde: wer hat gewonnen, in welchen Branchen, in welcher Größenordnung. Reine Daten, eigene Einordnung, keine Gerüchte.
Neu ab dieser Ausgabe: Wir werten zusätzlich aus, wie viele Bieter je Los tatsächlich ein Angebot abgegeben haben — die Wettbewerbsintensität hinter jedem Zuschlag. Die Zahl steht in fast jeder Bekanntmachung (98,8 Prozent Abdeckung in dieser Periode) — systematisch ausgewertet wird sie bislang aber vor allem in Jahresberichten wie dem EU-Binnenmarktanzeiger, kaum in der laufenden Marktbeobachtung. Der erste Befund hat es in sich: Bei 343 von 1.803 bezuschlagten Losen — 19,0 Prozent — ging genau ein Angebot ein. Bei fast jedem fünften Los bleibt es beim einzigen Angebot. Details und Verteilung unten in der neuen Sektion.
Das Bild der Periode selbst: Abkühlung nach dem Hoch. Nach dem Rekordwert der Vorperiode (KW 29: 1,90 Mrd) sinkt das publizierte Gesamtvolumen auf 1,37 Mrd EUR (−28,1 %), während die Aktivität nur leicht nachgibt: 1.137 Zuschläge (−2,1 %) und 1.062 unterschiedliche Gewinnerfirmen (−1,8 %). Der Rückgang hat zwei Quellen, und nur eine davon ist ein echter Markt-Effekt: Die Oberklasse ist dünner geworden (5–20 Mio: 45 → 36, über 20 Mio: 15 → 13) — aber zugleich steigt der Anteil der Zuschläge ohne publizierten Wert von 31,6 auf 36,1 Prozent. Ein Teil des „fehlenden" Volumens ist also nicht verschwunden, sondern schlicht nicht gemeldet. Die Spitze ist dabei so flach wie noch nie: Der größte Einzelzuschlag stellt nur 8,1 Prozent des Volumens — der niedrigste Spitzenanteil der gesamten Reihe, zum zweiten Mal in Folge ein neuer Tiefstwert.
Die Eckdaten
Erhebungszeitraum: 19. Juli 2026 bis 2. August 2026 (14-Tage-Fenster, Daten gezogen am 2. August; der 2. August war ein Sonntag ohne TED-Veröffentlichungen). Quelle: TED API v3, Filterung auf buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Vorperiode = das vorangehende 14-Tage-Fenster (Ausgabe KW 29, 5. – 18. Juli). Da wir im 14-Tage-Takt berichten, schließt dieses Fenster nahtlos an die Vorperiode an — es fehlt kein Tag. Eine separate „KW 30"-Ausgabe gibt es nicht; die Tage der Kalenderwoche 30 sind in diesem Fenster enthalten.
| Kennzahl | KW 31/2026 | Vorperiode (KW 29) |
|---|---|---|
| Anzahl Zuschlagsbekanntmachungen | 1.137 | 1.161 (−2,1 %) |
| Gesamtvolumen (publizierte Werte) | 1.367.535.489 EUR | 1.902.664.971 EUR (−28,1 %) |
| Eindeutige Gewinner-Firmen | 1.062 | 1.082 (−1,8 %) |
| Ø publiziertes Volumen je Zuschlag | ~1,20 Mio EUR | ~1,64 Mio EUR (−26,6 %) |
| Zuschläge ohne publizierten Wert | 411 (36,1 %) | 367 (31,6 %) |
| Zuschläge > 20 Mio EUR | 13 | 15 (−2) |
| Neu: Ø Bieter je Los (Median) | 5,2 (3) | — (erstmals erhoben) |
| Neu: Lose mit nur einem Bieter | 343 von 1.803 (19,0 %) | — (erstmals erhoben) |
Wichtig für die Einordnung des Volumen-Rückgangs: Er ist diesmal weniger belastbar als der Anstieg der Vorperiode. In KW 29 sank der Anteil der wertlosen Meldungen — der Anstieg war „echt". Diesmal ist es umgekehrt: 411 Zuschläge (36,1 %) kommen ohne publizierten Wert, 44 mehr als in der Vorperiode und der höchste Anteil seit Beginn unserer Reihe. Das publizierte Gesamtvolumen ist immer eine Untergrenze — aber diesmal ist die Lücke zwischen Untergrenze und Realität mutmaßlich größer als zuletzt.
Neu in dieser Ausgabe: Wie viel Wettbewerb steckt in einem Zuschlag?
Jede eForms-Zuschlagsbekanntmachung enthält ein unscheinbares Statistik-Feld: die Anzahl der eingegangenen Angebote je Los (BT-759). Ab dieser Ausgabe lesen wir es systematisch mit aus — in dieser Periode liefern 1.123 der 1.137 Zuschläge (98,8 %) diese Angabe, zusammen 1.803 bezuschlagte Lose. Das ist die ehrlichste Wettbewerbs-Kennzahl, die die offiziellen Daten hergeben: nicht wer gewonnen hat, sondern gegen wie viele.
| Angebote je Los | Lose | Anteil |
|---|---|---|
| genau 1 Bieter | 343 | 19,0 % |
| 2–3 Bieter | 605 | 33,6 % |
| 4–6 Bieter | 503 | 27,9 % |
| 7–10 Bieter | 193 | 10,7 % |
| mehr als 10 Bieter | 159 | 8,8 % |
Drei Lesarten dieser Verteilung. Erstens: Der Durchschnitt (5,2 Bieter je Los) schmeichelt. Der Median liegt bei 3 — gut die Hälfte aller Lose (52,6 %) sieht höchstens drei Angebote. Die hohen Durchschnitte entstehen durch eine kleine Gruppe stark umkämpfter Lose (159 Lose mit mehr als zehn Angeboten). Zweitens: Fast jedes fünfte Los (19,0 %) wird mit genau einem Angebot vergeben. Für Auftraggeber ist das ein Warnsignal zur Marktansprache — für Bieter ist es die interessanteste Zahl dieser Ausgabe: Es gibt alle zwei Wochen über 300 Lose, bei denen ein einziges solides Angebot genügt hätte. Wer systematisch findet, was zum eigenen Sortiment passt, tritt öfter in diesen dünn besetzten Feldern an. Drittens: Ein Ein-Bieter-Los heißt nicht automatisch „ohne Wettbewerb geplant" — dahinter können auch Verfahren stecken, in denen schlicht niemand sonst abgegeben hat. Die Daten sagen, dass nur ein Angebot einging, nicht warum.
Diese Kennzahl läuft ab jetzt in jeder Ausgabe mit — ab der nächsten dann mit Vorperioden-Vergleich, sodass sichtbar wird, ob die Ein-Bieter-Quote ein Ausreißer oder ein Dauerzustand ist.
Branchen-Verteilung
Die Mengen-Rangliste sieht aus wie immer — Bau vorn, dann „Sonstige" und die Ingenieurdienstleistungen. Der Unterschied zur Vorperiode steckt im Geld: Die IT- und Telekom-Kategorien, die in KW 29 mit wenigen Zuschlägen das Volumen dominierten, tauchen in den Top 5 nach Anzahl diesmal gar nicht auf — ihre großen Tickets stehen aber weiterhin an der Spitze der Einzelzuschläge (siehe unten).
| Kategorie | Zuschläge | Volumen | Ø je Auftrag |
|---|---|---|---|
| Bauleistungen (CPV 45) | 425 | 414,3 Mio EUR | 0,97 Mio EUR |
| Sonstige | 200 | 269,1 Mio EUR | 1,35 Mio EUR |
| Architektur, Ingenieurwesen, technische Dienstleistungen (CPV 71) | 194 | 49,7 Mio EUR | 0,26 Mio EUR |
| Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt (CPV 90) | 60 | 78,4 Mio EUR | 1,31 Mio EUR |
| Transportausrüstung, Fahrzeuge (CPV 34) | 54 | 27,4 Mio EUR | 0,51 Mio EUR |
Die fünf mengenstärksten Kategorien decken 933 der 1.137 Zuschläge ab (82,1 %) — aber nur 61,4 Prozent des publizierten Volumens (rund 839 Mio EUR). Das ist die Rückkehr zum Normalmuster nach der Ausnahme-Vorperiode, in der sich fast das gesamte Geld (93,8 %) in den mengenstärksten Kategorien ballte: Diesmal liegen wieder gut 38 Prozent des Volumens in Kategorien, die es mengenmäßig nicht unter die ersten fünf schaffen — vor allem in IT und Telekommunikation, die selten, aber teuer vergeben.
Der Bau führt beide Ranglisten dieser Periode: 425 Zuschläge (37,4 %) und mit 414,3 Mio EUR nach der Ausnahme-Vorperiode auch wieder das größte Kategorie-Volumen — allerdings mit einem unauffälligen Schnitt von 0,97 Mio EUR je Auftrag. Auffällig bleibt die Ingenieur-Division (CPV 71): 194 Zuschläge, aber nur 49,7 Mio EUR — mit 0,26 Mio EUR je Auftrag erneut der mit Abstand kleinteiligste Bereich, noch unter dem ohnehin niedrigen Vorperioden-Schnitt (0,31 Mio). Die Abwasser-/Umwelt-Kategorie verdankt ihren hohen Schnitt (1,31 Mio) im Wesentlichen einem einzelnen Ausreißer: dem 56-Mio-Paket der Thüringer Straßenwartungs- und Instandhaltungsgesellschaft (siehe Bidder-Liste).
Top 10 aktivste Bidder
Wer hat in den 14 Tagen die meisten Zuschläge eingefahren? Aggregation pro Gewinner über alle 1.137 Bekanntmachungen. Die Volumen-Spalte zeigt den publizierten Wert aller Zuschläge des jeweiligen Gewinners — bei Rahmenverträgen und Mehrfach-Losen oft nur ein Bruchteil der tatsächlichen Auftragssumme.
| # | Gewinner | Wins | Volumen (publiziert) | Hauptbranche |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Ausbau Mügeln GmbH | 5 | 1,35 Mio EUR | Verkehrstechnik, Beschilderung (CPV 34) |
| 2 | HOYWOY-Fahrservice | 4 | 0,62 Mio EUR | Fahrdienste (Sonstige) |
| 3 | Siemens Healthineers AG | 4 | 1 EUR (siehe Text) | Medizintechnik |
| 4 | Thüringer Straßenwartungs- und Instandhaltungsgesellschaft mbH & Co. KG | 3 | 56,10 Mio EUR | Straßenunterhaltung (CPV 90) |
| 5 | LEONHARD WEISS GmbH & Co. KG | 3 | 6,50 Mio EUR | Bau |
| 6 | SVA System Vertrieb Alexander GmbH | 3 | 6,43 Mio EUR | IT-Ausstattung |
| 7 | LPI Ingenieurgesellschaft mbH | 3 | 3,50 Mio EUR | Ingenieurleistungen |
| 8 | Malteser Hilfsdienst gGmbH | 3 | 0,88 Mio EUR | Soziale Dienste (Sonstige) |
| 9 | Diehl GmbH | 3 | 0,81 Mio EUR | Bau |
| 10 | Rosenbauer Deutschland GmbH | 3 | 0,45 Mio EUR | Feuerwehrfahrzeuge und -technik |
Nach der digital geprägten Vorperiode (Telekom und GlasfaserPlus an der Spitze) sieht die Liste diesmal wieder nach Alltag aus: vorn ein regionaler Ausbau-Betrieb und ein Fahrdienst, dahinter das solide Mittelfeld aus Bau, IT-Systemhaus und Ingenieurbüro. Zwei Einträge verdienen eine Erklärung. Siemens Healthineers steht mit vier Zuschlägen, aber einem publizierten Gesamtwert von einem Euro in der Liste — das ist kein Tippfehler von uns, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach ein Melde-Artefakt: Bei Rahmenvereinbarungen wird gelegentlich ein symbolischer Wert eingetragen statt gar keiner. Der tatsächliche Auftragswert lässt sich der Bekanntmachung jedenfalls nicht entnehmen. Und die Thüringer Straßenwartungs- und Instandhaltungsgesellschaft bündelt mit drei Zuschlägen rund 56,1 Mio EUR mehr publiziertes Volumen als die übrigen neun Listeneinträge zusammen — die Größenordnung spricht für mehrjährige Unterhaltungs- bzw. Betriebsdienst-Verträge, das konkrete Leistungsbild nennt die Bekanntmachung nicht im Detail.
Top 5 größte Einzelzuschläge
Die Brocken der Periode — und trotz der „analogen" Bidder-Liste ist die Spitze erneut digital: Die drei größten Einzelzuschläge sind IT und Telekommunikation.
- rund 111,4 Mio EUR · Telekommunikation — die Computacenter AG & Co. oHG, eines der großen herstellerübergreifenden IT-Infrastruktur-Häuser in Deutschland. Kategorie und Größenordnung sprechen für einen mehrjährigen Netz-/Kommunikationstechnik-Rahmenvertrag; das konkrete Beschaffungsobjekt nennt die Bekanntmachung nicht im Detail. Mit 8,1 Prozent des Gesamtvolumens der niedrigste Spitzenanteil der gesamten Reihe — zum zweiten Mal in Folge ein neuer Tiefstwert.
- rund 90,4 Mio EUR · IT-Dienstleistungen — die Deutsche Telekom Business Solutions GmbH, eine Geschäftskunden-Gesellschaft im Telekom-Konzern. Größenordnung und Kategorie deuten auf einen großen IT-Betriebs- oder Digitalisierungs-Rahmen der öffentlichen Hand.
- rund 72,6 Mio EUR · Bauleistungen — kein einzelnes Unternehmen, sondern ein ganzes Bündel: Die Bekanntmachung listet als „Gewinner" über zwanzig Firmeneinträge, darunter Possehl Spezialbau, Krebs, adicon dichte Bauwerke, die DB Bahnbau Gruppe, Heinrich Schmid und Rhomberg Sersa Gleisbau — viele davon doppelt. Das ist das Signatur-Muster einer Rahmenvereinbarung mit mehreren Partnern (plausibel: Bauwerks-/Gleisinfrastruktur-Instandhaltung), bei der alle aufgenommenen Firmen in einer einzigen Bekanntmachung stehen. Die 72,6 Mio dürften der Programmwert des Rahmens sein — nicht der Umsatz eines einzelnen Gewinners (siehe Spotlight).
- rund 67,9 Mio EUR · Software, Informationssysteme — CANCOM GmbH gemeinsam mit der inett GmbH. Der dritte große Digital-Zuschlag in den Top 5.
- rund 49,8 Mio EUR · Sonstige — die Bietergemeinschaft PTKR. Hinter dem Kürzel steht eine Arbeitsgemeinschaft; die Bekanntmachung selbst gibt über Zusammensetzung und Leistungsgegenstand wenig preis — ein Beispiel dafür, wie wenig eine TED-Überschrift manchmal verrät.
Die fünf größten Zuschläge summieren sich auf rund 392 Mio EUR — 28,7 Prozent des gesamten publizierten Volumens (Vorperiode: 35,5 %). Die Konzentration an der Spitze nimmt damit weiter ab: Kein Mega-Ticket dominiert, der größte Einzelzuschlag stellt nur 8,1 Prozent. Der Volumen-Rückgang dieser Periode ist also nicht das Fehlen eines großen Brockens, sondern eine breit dünnere Oberklasse — plus mehr unveröffentlichte Werte.
Spotlight: Wenn „ein Zuschlag" in Wahrheit ein Verzeichnis mit zwanzig Firmen ist
Der drittgrößte Zuschlag der Periode (72,6 Mio EUR) führt im Gewinner-Feld über zwanzig Firmeneinträge — Spezialbau-, Abdichtungs- und Gleisbau-Unternehmen, viele doppelt gelistet. Für die Statistik ist das ein einziger „Gewinner". In Wahrheit ist es fast sicher eine Mehrpartner-Rahmenvereinbarung: Ein Auftraggeber nimmt einen Pool von Firmen unter Vertrag und ruft später je Einzelmaßnahme ab. Wer in dem Pool steht, hat noch keinen Umsatz — er hat eine Eintrittskarte.
Es ist die wiederkehrende Lektion dieser Reihe, jede Ausgabe in neuem Gewand: In KW 27 war der „größte Einzelzuschlag" ein Verzeichnis aus Dutzenden Ingenieurbüros, in KW 29 sechs Lose an dieselbe Glasfaser-Arge, diesmal ein Zwanzig-Firmen-Pool für Bauleistungen. Die Zahl an der Spitze einer TED-Bekanntmachung ist häufig ein Programm- oder Rahmenwert, kein Umsatz, den ein Unternehmen an einem Stück einfährt. Zusammen mit der neuen Bieter-Statistik ergibt das ein vollständigeres Bild: Was nach einem Riesen-Auftrag aussieht, ist oft ein Sammelvertrag — und was nach hartem Wettbewerb aussieht, ist bei jedem fünften Los ein Solo-Auftritt.
Hinweis zur Quelle: Firmen, Auftragswert und CPV-Einordnung stammen aus der TED-Bekanntmachung. Die Deutung als Mehrpartner-Rahmenvereinbarung ist unsere Interpretation auf Basis der Gewinner-Listung, keine wörtliche Angabe aus dem Vergabevermerk. Die rund 72,6 Mio EUR sind der publizierte Wert der Bekanntmachung, nicht zwingend der Umsatz eines einzelnen Unternehmens.
Wert-Verteilung — wo das Volumen tatsächlich liegt
Die Vergabe-Realität für die meisten Bieter findet sich unverändert in den unteren und mittleren Wert-Klassen — diesmal gibt praktisch jede publizierte Klasse leicht nach, während die Klasse „ohne Wert" deutlich wächst:
| Wert-Klasse | Anzahl Zuschläge | Anteil | Vorperiode (KW 29) |
|---|---|---|---|
| < 100k € | 200 | 17,6 % | 202 |
| 100k - 500k € | 281 | 24,7 % | 301 |
| 500k - 1 Mio € | 94 | 8,3 % | 117 |
| 1 - 5 Mio € | 102 | 9,0 % | 114 |
| 5 - 20 Mio € | 36 | 3,2 % | 45 |
| > 20 Mio € | 13 | 1,1 % | 15 |
| Wert nicht publiziert | 411 | 36,1 % | 367 |
Die Mittelstand-Zone bleibt die größte publizierte Klasse: 281 Zuschläge zwischen 100.000 und 500.000 EUR — der niedrigste Wert der Reihe (bisheriges Band 283 bis 342). Die Oberklasse gibt spürbar nach — die 5–20-Mio-Klasse fällt von 45 auf 36, die Klasse über 20 Mio von 15 auf 13. Zusammen mit dem gewachsenen „ohne Wert"-Block (367 → 411, jetzt 36,1 % und Höchststand der Reihe) erklärt das den Volumen-Rückgang fast vollständig: weniger dicke Tickets, und von dem, was vergeben wurde, verschwindet mehr aus der Statistik.
Was im Neun-Perioden-Vergleich auffällt
1. Die Aktivität ist bemerkenswert stabil — das Volumen nicht. Über die letzten drei Ausgaben schwankt die Zahl der Zuschläge nur zwischen 1.137 und 1.161 und die Zahl der Gewinnerfirmen zwischen 1.062 und 1.082 — während das publizierte Volumen zwischen 1,03 und 1,90 Mrd EUR pendelt. Der deutsche Vergabemarkt vergibt in erstaunlich konstantem Takt; was schwankt, sind die großen Tickets und die Meldedisziplin.
2. Bei fast jedem fünften Los gibt nur einer ein Angebot ab. Die neue Bieter-Statistik zeigt: 19,0 Prozent der Lose erhielten genau ein Angebot, gut die Hälfte höchstens drei. Der Durchschnitt von 5,2 Bietern je Los wird von einer kleinen Gruppe stark umkämpfter Vergaben getragen. Für Bieter heißt das: Die Chance liegt oft nicht im großen, umkämpften Verfahren, sondern im dünn besetzten Los nebenan.
3. Die Spitze wird immer flacher. Der größte Einzelzuschlag stellt 8,1 Prozent des Volumens — nach 11,2 % in der Vorperiode der zweite Rekord-Tiefstwert in Folge. Die Top 5 kommen auf 28,7 Prozent. Große Digital-Tickets führen zwar weiter die Einzelzuschlags-Liste an (Computacenter, Telekom Business Solutions, CANCOM), aber kein einzelner Brocken prägt mehr die Periode.
4. Die Dunkelziffer wächst. 36,1 Prozent der Zuschläge ohne publizierten Wert sind der höchste Anteil der Reihe. Der ausgewiesene Volumen-Rückgang (−28,1 %) überzeichnet den realen Rückgang deshalb vermutlich: Ein Teil des Geldes ist nicht weg, sondern nur unsichtbar. Beide Effekte — dünnere Oberklasse und schlechtere Meldedisziplin — laufen diesmal in dieselbe Richtung.
Methodologie
Daten gezogen via TED API v3, gefiltert auf publication-date in den letzten 14 Tagen mit buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Aggregation pro Gewinner über Firmenname (mit weichem Fuzzy-Matching, damit Schreibvarianten desselben Unternehmens zusammenfallen). Volumina sind die offiziell publizierten Auftragswerte; nicht-publizierte Werte fließen nicht in die Gesamt-Volumen-Zahl ein. Da 411 von 1.137 Zuschlägen (36,1 %) ohne Wert veröffentlicht werden, ist das publizierte Gesamtvolumen eine Untergrenze. „Ø publiziertes Volumen je Zuschlag" = publiziertes Gesamtvolumen geteilt durch die Anzahl aller Zuschläge (Aufträge ohne Wert ziehen den Schnitt rechnerisch nach unten — die Kennzahl misst Volumen-Intensität, nicht den typischen Auftragswert). CPV-Klassifikation auf Division (zweistellig).
Neu — Bieter-Statistik: Quelle ist das eForms-Feld BT-759 („Anzahl eingegangener Angebote"), das Auftraggeber je Los-Ergebnis melden. Wir zählen je Los, nicht je Bekanntmachung — ein Zuschlag kann mehrere Lose enthalten (1.803 Lose aus 1.123 Bekanntmachungen mit Angabe; 98,8 % der Zuschläge liefern die Zahl). Meldet ein Los nur die Zahl der elektronisch eingegangenen Angebote, nutzen wir diese als Näherung. Die Angabe stammt vom Auftraggeber selbst; einzelne Meldefehler sind möglich und die Zahl sagt nichts darüber, wie viele der Angebote wertbar waren. Quelle TED, Lizenz CC BY 4.0.
Den vollständigen Mining-Ansatz beschreiben wir im Artikel zu TED CAN Sales Intelligence — wer das selbst nachbauen will, kommt mit einem halben Tag Engineering aus.
Fazit
14 Tage, 1.137 Zuschläge, 1,37 Milliarden Euro, 1.062 unique Gewinnerfirmen. Das Volumen kühlt nach dem Rekord der Vorperiode um 28 Prozent ab — getragen von einer dünneren Oberklasse und dem höchsten Anteil unveröffentlichter Werte der Reihe (36,1 %), während die Aktivität fast unverändert bleibt. Die Spitze ist so flach wie nie: Der größte Einzelzuschlag (Computacenter, 111 Mio) stellt nur 8,1 Prozent des Volumens.
Die eigentliche Neuigkeit dieser Ausgabe ist aber die neue Kennzahl: Bei 19 Prozent aller Lose ging genau ein Angebot ein, gut die Hälfte sieht höchstens drei. Wettbewerb ist in der öffentlichen Vergabe ungleich verteilt — und wer systematisch findet, welche Ausschreibungen wirklich zum eigenen Sortiment passen, tritt öfter dort an, wo wenige mitbieten. Genau dabei setzt Tender Automation an: Bieter laden ihr Leistungsverzeichnis hoch, das Tool extrahiert die Positionen und identifiziert die relevanten Hersteller — Position für Position, statt Überschriften-Raten. Mehr unter tenderautomation.de. Nächste Ausgabe dieser Reihe: in zwei Wochen — dann erstmals mit Bieter-Trend im Periodenvergleich.