Deutschland-Vergaben KW 29/2026: 1,90 Milliarden Euro, 1.161 Zuschläge — das Volumen springt zurück, und diesmal ist das große Geld digital: Glasfaser und IT-Beratung führen
Achte Ausgabe unserer 14-tägigen Marktbeobachtung. Wir ziehen die Contract Award Notices aus TED — der offiziellen EU-Datenbank für öffentliche Aufträge — und sortieren, was in Deutschland tatsächlich vergeben wurde: wer hat gewonnen, in welchen Branchen, in welcher Größenordnung. Reine Daten, eigene Einordnung, keine Gerüchte.
Das Bild dieser Periode: ein kräftiger Rückpraller. Nach dem Tiefststand der Vorperiode (KW 27: 1,03 Mrd) springt das publizierte Gesamtvolumen auf 1,90 Mrd EUR (+85 %) — das höchste reguläre Volumen der gesamten Reihe, nur übertroffen vom Mega-Ausreißer der Ausgabe KW 23 (3,45 Mrd, mit einem einzelnen 1,36-Mrd-Ticket). Und anders als bei jenem Ausreißer steckt hier kein einzelnes Riesen-Ticket dahinter: Der größte Einzelzuschlag stellt nur 11,2 Prozent des Volumens — der niedrigste Spitzenanteil der Reihe. Der Anstieg kommt aus der Breite der Oberklasse: Die 5–20-Mio-Klasse verdoppelt sich fast (23 → 45), die Klasse über 20 Mio wächst von 9 auf 15. Die eigentliche Aktivität bleibt dabei praktisch unverändert — 1.161 Zuschläge (+0,8 %) und 1.082 unterschiedliche Gewinnerfirmen (+0,2 %) liegen minimal über der Vorperiode. Die Pointe steckt in der Zusammensetzung: das große Geld ist diesmal digital — IT-Beratung und die stark von Telekom und Glasfaser geprägte „Sonstige"-Division stellen zusammen rund 60 Prozent des Volumens, während der Bau zwar die Mengen führt, aber nur ein gutes Viertel des Geldes.
Die Eckdaten
Erhebungszeitraum: 5. Juli 2026 bis 18. Juli 2026 (14-Tage-Fenster, Daten gezogen am 19. Juli). Quelle: TED API v3, Filterung auf buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Vorperiode = das vorangehende 14-Tage-Fenster (Ausgabe KW 27, 21. Juni – 4. Juli). Da wir im 14-Tage-Takt berichten, schließt dieses Fenster nahtlos an die Vorperiode an (die am 4. Juli endete) — es fehlt kein Tag. Eine separate „KW 28"-Ausgabe gibt es nicht; die Tage der Kalenderwoche 28 sind in diesem Fenster enthalten.
| Kennzahl | KW 29/2026 | Vorperiode (KW 27) |
|---|---|---|
| Anzahl Zuschlagsbekanntmachungen | 1.161 | 1.152 (+0,8 %) |
| Gesamtvolumen (publizierte Werte) | 1.902.664.971 EUR | 1.028.714.142 EUR (+85,0 %) |
| Eindeutige Gewinner-Firmen | 1.082 | 1.080 (+0,2 %) |
| Ø publiziertes Volumen je Zuschlag | ~1,64 Mio EUR | ~0,89 Mio EUR (+83,5 %) |
| Zuschläge ohne publizierten Wert | 367 (31,6 %) | 392 (34,0 %) |
| Zuschläge > 20 Mio EUR | 15 | 9 (+6) |
Zwei Dinge machen die Volumen-Zahl diesmal belastbarer als gewöhnlich. Erstens: Der Anteil der Zuschläge ohne publizierten Wert sinkt von 34,0 auf 31,6 Prozent (367 von 1.161) — es verschwindet wenigerMarkt aus der Statistik als in der Vorperiode, der Anstieg ist also kein reiner Melde-Effekt. Zweitens: Der Anstieg ist breit, nicht von einem Riesen-Ticket getragen. Der größte Einzelzuschlag — ein IT-Zuschlag der msg systems über rund 213,4 Mio EUR (siehe unten) — macht nur 11,2 Prozent des publizierten Volumens aus, die fünf größten Zuschläge zusammen 35,5 Prozent (Vorperiode: 31,2 %). Trotz des kräftig gestiegenen Volumens bleibt die Spitze damit fast so flach verteilt wie in der Vorperiode — der Zuwachs steckt in der ganzen Oberklasse, nicht in einem einzelnen Brocken.
Branchen-Verteilung
Diesmal zeigen Mengen- und Volumen-Rangliste besonders scharf in unterschiedliche Richtungen — und genau das ist die Pointe der Periode: Bauleistungen führen zwar klar die Mengen an, aber das große Geld liegt in „Other" (vor allem Telekom und Glasfaser) und in der IT. Eine einzige Kategorie zeigt das mit voller Wucht: IT-Dienst- leistungen bündeln aus nur 47 Zuschlägen mehr Volumen als der gesamte Bau aus 420.
| Kategorie | Zuschläge | Volumen | Ø je Auftrag |
|---|---|---|---|
| Bauleistungen (CPV 45) | 420 | 535,0 Mio EUR | 1,27 Mio EUR |
| Sonstige | 198 | 591,1 Mio EUR | 2,99 Mio EUR |
| Architektur, Ingenieurwesen, technische Dienstleistungen (CPV 71) | 193 | 60,7 Mio EUR | 0,31 Mio EUR |
| Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt (CPV 90) | 76 | 45,0 Mio EUR | 0,59 Mio EUR |
| IT, Beratung, Softwareentwicklung (CPV 72) | 47 | 553,5 Mio EUR | 11,78 Mio EUR |
Die fünf mengenstärksten Kategorien decken zusammen 934 der 1.161 Zuschläge (80,4 %) ab — und diesmal auch 93,8 Prozent des publizierten Volumens (rund 1,79 Mrd EUR). Das ist das genaue Gegenteil der Vorperiode, in der fast ein Drittel des Geldes in Kategorien lag, die es mengenmäßig nicht unter die ersten fünf schafften. Diesmal ballt sich das Volumen ganz oben in der Liste — vor allem in zwei Divisionen, die selten, aber teuer vergeben: IT-Dienstleistungen (47 Zuschläge, aber 553,5 Mio EUR — mit Ø 11,78 Mio je Auftrag die mit weitem Abstand wertdichteste Kategorie) und „Sonstige" (TEDs eigene Division „Other", 198 Zuschläge, 591,1 Mio EUR). Hinter „Sonstige" steckt diese Periode vor allem der Telekommunikations- und Glasfaser-Ausbau: Telekom Deutschland, GlasfaserPlus und die MUENET-/MN-Glasfaser-Arge (siehe unten) fallen alle in diese Kategorie.
Bauleistungen führen die Mengen mit 420 Zuschlägen (36,2 %) und stellen mit 535,0 Mio EUR das drittgrößte Kategorie-Volumen (hinter „Sonstige" und IT) — das sind aber nur 28,1 Prozent des Gesamtvolumens, ein völlig normaler, unspektakulärer Bau-Anteil. Der Bau ist diesmal breit und mittelgroß (1,27 Mio EUR je Auftrag), während die wenigen ganz großen Tickets in IT-Beratung und Glasfaser liegen. Auffällig klein ist dagegen die Ingenieur-Division (CPV 71): 193 Zuschläge, aber nur 60,7 Mio EUR und damit ganze 0,31 Mio EUR je Auftrag — der niedrigste Kategorie-Schnitt. Nach dem 105-Mio-Projektsteuerungs- Rahmen, der die Vorperiode prägte, ist der Ingenieurbereich diesmal auffällig kleinteilig.
Top 10 aktivste Bidder
Wer hat in den 14 Tagen die meisten Zuschläge eingefahren? Aggregation pro Gewinner über alle 1.161 Bekanntmachungen. Die Volumen-Spalte zeigt den publizierten Wert aller Zuschläge des jeweiligen Gewinners — bei Rahmenverträgen und Mehrfach-Losen oft nur ein Bruchteil der tatsächlichen Auftragssumme.
| # | Gewinner | Wins | Volumen (publiziert) | Hauptbranche |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Telekom Deutschland GmbH | 8 | 67,90 Mio EUR | Telekommunikation, Glasfaser |
| 2 | GlasfaserPlus GmbH | 6 | 45,27 Mio EUR | Glasfaser-Ausbau |
| 3 | CANCOM GmbH | 4 | 6,24 Mio EUR | IT-Ausstattung, Hardware |
| 4 | SVA System Vertrieb Alexander GmbH | 3 | 13,17 Mio EUR | IT, Informationssysteme |
| 5 | Siemens AG | 3 | 1,30 Mio EUR | Bau, Gebäudetechnik |
| 6 | limpo Gebäudereinigung GmbH | 3 | 0,10 Mio EUR | Reinigung |
| 7 | keine Angabe | 3 | — | Sonstige (Gewinner nicht benannt) |
| 8 | Caritasverband Kleve e.V. | 2 | 6,10 Mio EUR | Soziale Dienste |
| 9 | SPIE Nuhn GmbH | 2 | 4,48 Mio EUR | Bau, technische Gebäudeausrüstung |
| 10 | IGD Installationsgesellschaft Dresden mbH | 2 | 3,26 Mio EUR | Bau, Installation |
Die Rangliste erzählt die Geschichte der Periode im Kleinen: An der Spitze steht diesmal kein Bauunternehmen, sondern die Telekom Deutschland mit acht Zuschlägen, dicht gefolgt von GlasfaserPlus (sechs Zuschläge) — einem Gemeinschaftsunternehmen für den Glasfaser-Ausbau. Zwei Telekommunikations-/Glasfaser-Akteure führen die Mengen an; das passt zur „Other"-Kategorie, die das Volumen dominiert. Dahinter folgen mit CANCOM und SVA zwei IT-Systemhäuser — die Bidder-Spitze ist diesmal digital, nicht baulich.
Zwei Einträge sind einordnungsbedürftig. Platz 6, die limpo Gebäudereinigung, hält drei Zuschläge, aber nur rund 0,1 Mio EUR publiziertes Volumen — Gebäudereinigungs-Lose sind mengenstark, aber wertarm. Und Platz 7, „keine Angabe", ist kein Unternehmen, sondern ein Daten-Artefakt: drei Bekanntmachungen, in denen der Gewinnername nicht ausgelesen werden konnte (Volumen 0 EUR). Wir führen den Eintrag transparent mit, statt ihn stillschweigend zu löschen — er zeigt, dass auch die offizielle TED-Datenbank Lücken hat. Das solide Bau-Mittelfeld (Siemens, SPIE Nuhn, IGD Dresden) rundet die Liste ab, ohne die Volumen-Spitze zu erreichen.
Top 5 größte Einzelzuschläge
Die Brocken der Periode. Auffällig: vier der fünf sind digital — dreimal IT-Beratung, einmal Glasfaser. Nur ein Eintrag fällt in die Kategorie „Sonstige" ohne IT-Bezug. Die Spitze ist diesmal noch klarer Dienstleistung und Digitalisierung als in der ohnehin schon IT-lastigen Vorperiode.
- rund 213,4 Mio EUR · IT, Beratung, Softwareentwicklung — die msg systems, ein großes deutsches IT-Beratungs- und Softwarehaus (Sitz Ismaning bei München). Größenordnung und Geschäftsfeld sprechen für einen mehrjährigen IT-Dienstleistungs- bzw. Software-Rahmenvertrag; das konkrete Beschaffungsobjekt nennt die Bekanntmachung nicht im Detail. Mit Abstand der größte Zuschlag der Periode — aber nur 11,2 % des Gesamtvolumens.
- rund 158,5 Mio EUR · Sonstige (Glasfaser) — eine Arbeitsgemeinschaft aus MUENET GmbH & Co. KG und MN Glasfaser GmbH. Der Eintrag taucht in den Rohdaten sechsfach auf — ein starkes Indiz dafür, dass hier eine einzige Arge über mehrere Lose eines Glasfaser-Ausbauprogramms bezuschlagt wurde (siehe Spotlight unten). Die runde Größenordnung ist ein Rahmen-/Programmwert, kein Einzelgewinn.
- rund 133,1 Mio EUR · IT, Beratung — die EY Consulting GmbH, der Beratungsarm von Ernst & Young. Größenordnung und Kategorie sprechen für einen großen Beratungs- bzw. Digitalisierungs-Rahmenvertrag der öffentlichen Hand.
- rund 85,7 Mio EUR · IT, Beratung — die Accenture GmbH, die deutsche Einheit des globalen Beratungs- und Technologiekonzerns. Der dritte IT-Beratungs- Großzuschlag in den Top 5 dieser Periode.
- rund 84,8 Mio EUR · Sonstige — die Forschungszentrum Jülich GmbH – Projektträger Jülich. Der Projektträger Jülich administriert im Auftrag von Bund und Ländern Förderprogramme; ein Zuschlag dieser Größe deutet auf einen Vertrag zur Betreuung bzw. Abwicklung eines Förderprogramms hin — nicht auf eine klassische Bau- oder Lieferleistung. Denkbar ist auch ein Melde-Artefakt, bei dem die verwaltende Stelle in der Bekanntmachung als Gewinner geführt wird.
Die fünf größten Zuschläge summieren sich auf rund 675 Mio EUR — 35,5 Prozent des gesamten publizierten Volumens (Vorperiode: 31,2 %). Trotz des fast doppelt so hohen Volumens ist die Spitze also nur geringfügig konzentrierter als in der Vorperiode — und der größte Einzelzuschlag stellt mit 11,2 Prozent sogar den niedrigsten Spitzenanteil der ganzen Reihe. Inhaltlich hat sich das Vorzeichen weiter in Richtung Digitalisierung verschoben: Nach der IT-lastigen Vorperiode (zweimal IT in den Top 5) sind es diesmal gleich vier digitale Tickets — drei IT-Beratungen und ein Glasfaser-Programm. Kein einziger reiner Bauauftrag schafft es unter die fünf größten.
Spotlight: Die Glasfaser-Welle — wenn ein „158-Mio-Zuschlag" in Wahrheit sechs Lose an dieselbe Arge sind
Der zweitgrößte Zuschlag der Periode ist in TED als ein Eintrag über rund 158,5 Mio EUR geführt — aber schon die Rohdaten machen stutzig: Der Gewinner, eine Arbeitsgemeinschaft aus MUENET GmbH & Co. KG und MN Glasfaser GmbH, erscheint nicht einmal, sondern sechsfach in der Auswertung. Das ist das typische Signatur-Muster eines Ausbauprogramms mit mehreren Losen: Nicht ein Bieter „gewinnt" einen Auftrag, sondern dieselbe Arge wird über eine Reihe von Lose- oder Gebietsverträgen bezuschlagt, die TED als einzelne Bekanntmachungen führt.
Zusammen mit Telekom Deutschland (8 Zuschläge) und GlasfaserPlus (6 Zuschläge) an der Spitze der Bidder-Liste zeichnet das ein klares Bild dieser Periode: Der Glasfaser- und Telekommunikations-Ausbau ist ein Haupttreiber des Volumen-Sprungs. Die „Other"-Kategorie, die mit 591 Mio EUR das größte Kategorie-Volumen stellt, ist zu einem erheblichen Teil Digital-Infrastruktur — ein Feld, das mengenmäßig unauffällig bleibt, aber pro Vertrag sehr große Summen bewegt.
Es ist dieselbe wiederkehrende Lektion dieser Reihe, hier in einer neuen Variante: In der Vorperiode war der „größte Einzelzuschlag" in Wahrheit ein Verzeichnis aus Dutzenden verschiedenen Ingenieurbüros; diesmal ist es dieselbe Arge, sechsfach über mehrere Lose gelistet. In beiden Fällen gilt: die Zahl an der Spitze ist ein Programm- oder Rahmenwert, kein Umsatz, den ein Unternehmen an einem Stück einfährt. Wer aus solchen Bekanntmachungen echte Schlüsse ziehen will, muss hinter die Überschrift schauen: auf die Lose, die Partner und die tatsächlich beschriebene Leistung.
Hinweis zur Quelle: Firmen, Auftragswert und CPV-Einordnung stammen aus der TED-Bekanntmachung. Die Deutung als Mehr-Lose-Glasfaser-Programm ist unsere Interpretation auf Basis der sechsfachen Listung derselben Arge, keine wörtliche Angabe aus dem Vergabevermerk. Die rund 158,5 Mio EUR sind der publizierte Wert der zugehörigen Bekanntmachung(en), nicht zwingend der Umsatz eines einzelnen Gewinners.
Wert-Verteilung — wo das Volumen tatsächlich liegt
Die Vergabe-Realität für die meisten Bieter findet sich in den unteren und mittleren Wert-Klassen, nicht bei den großen Tickets — aber diesmal wächst spürbar auch die Oberklasse:
| Wert-Klasse | Anzahl Zuschläge | Anteil | Vorperiode (KW 27) |
|---|---|---|---|
| < 100k € | 202 | 17,4 % | 203 |
| 100k - 500k € | 301 | 25,9 % | 288 |
| 500k - 1 Mio € | 117 | 10,1 % | 135 |
| 1 - 5 Mio € | 114 | 9,8 % | 102 |
| 5 - 20 Mio € | 45 | 3,9 % | 23 |
| > 20 Mio € | 15 | 1,3 % | 9 |
| Wert nicht publiziert | 367 | 31,6 % | 392 |
Die Mittelstand-Zone bleibt stabil: Die 100.000–500.000-EUR-Klasse ist mit 301 Aufträgen erneut die größte publizierte Klasse und liegt mitten in ihrem langjährigen Band (über die Reihe meist zwischen 281 und 307). Die eigentliche Bewegung steht weiter oben: Die 5–20-Mio-Klasse verdoppelt sich fast (23 → 45), und die Klasse über 20 Mio EUR wächst von 9 auf 15. Genau hier — in der dicker gewordenen Oberklasse, nicht in einem einzelnen Riesen-Ticket — steckt der Volumen-Sprung dieser Periode. Leicht nachgegeben hat dafür die 500k–1-Mio-Klasse (135 → 117).
Bemerkenswert am unteren Rand: 367 Zuschläge (31,6 %) werden ohne Wert veröffentlicht — 25 weniger als in der Vorperiode und ein niedrigerer Anteil (34,0 % → 31,6 %). Das ist der Grund, warum die 1,90-Mrd-Zahl diesmal belastbarer ist als sonst: Es verschwindet weniger Markt aus der Statistik. Als Untergrenze bleibt die Summe dennoch — knapp ein Drittel aller Aufträge trägt weiterhin keinen publizierten Wert.
Was im Acht-Perioden-Vergleich auffällt
1. Das Volumen springt auf das höchste reguläre Niveau der Reihe — die Aktivität nicht. Das publizierte Gesamtvolumen steigt von 1,03 auf 1,90 Mrd EUR (+85 %) und liegt damit über allen bisherigen Ausgaben außer dem KW-23-Ausreißer (3,45 Mrd, getragen von einem einzelnen 1,36-Mrd-Ticket). Zugleich bleiben Anzahl der Zuschläge (+0,8 %) und Gewinner (+0,2 %) praktisch konstant. Der Sprung steckt nicht in mehr Aufträgen, sondern in größeren Tickets.
2. Das große Geld ist digital. IT-Beratung und Glasfaser dominieren das Volumen: Die IT-Division bündelt aus nur 47 Zuschlägen 553,5 Mio EUR (Ø 11,8 Mio je Auftrag, die wertdichteste Kategorie), die „Other"-Division mit dem Telekommunikations- und Glasfaser-Ausbau weitere 591,1 Mio EUR. Der aktivste Bidder ist die Telekom (Glasfaser), nicht ein Bauunternehmen — und vier der fünf größten Zuschläge sind IT-Beratung oder Glasfaser.
3. Die Spitze bleibt trotz des Sprungs flach. Der größte Einzelzuschlag stellt nur 11,2 % des Volumens — der niedrigste Spitzenanteil der Reihe — und die Top 5 kommen auf 35,5 %. Selbst ein 213-Mio-Ticket dominiert das Bild nicht, weil die ganze Oberklasse dicker geworden ist (5–20 Mio verdoppelt, > 20 Mio von 9 auf 15). Der Anstieg ist breit, nicht ein Ausreißer.
4. Der höhere Wert ist „echter" als sonst. Anders als in der Vorperiode, in der ein wachsender Anteil ohne Wert gemeldet wurde, sinkt der Anteil der wertlosen Meldungen diesmal (34,0 % → 31,6 %). Der Volumen-Sprung ist also kein Melde-Artefakt — es floss tatsächlich mehr publiziertes Geld. Dass der Bau die Mengen führt, aber nicht das Geld, ist dabei erneut ein Befund: Der Mengen-Leader und der Wert-Leader fallen von Ausgabe zu Ausgabe auseinander, und diese Periode liegt der Wert klar bei der Digitalisierung.
Methodologie
Daten gezogen via TED API v3, gefiltert auf publication-date in den letzten 14 Tagen mit buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Aggregation pro Gewinner über Firmenname (mit weichem Fuzzy-Matching, damit Schreibvarianten desselben Unternehmens zusammenfallen). Volumina sind die offiziell publizierten Auftragswerte; nicht-publizierte Werte fließen nicht in die Gesamt-Volumen-Zahl ein. Da 367 von 1.161 Zuschlägen (31,6 %) ohne Wert veröffentlicht werden, ist das publizierte Gesamtvolumen eine Untergrenze. „Ø publiziertes Volumen je Zuschlag" = publiziertes Gesamtvolumen geteilt durch die Anzahl aller Zuschläge (Aufträge ohne Wert ziehen den Schnitt rechnerisch nach unten — die Kennzahl misst Volumen-Intensität pro Auftrag, nicht den typischen Auftragswert; bei einer so kopflastigen Verteilung wie hier ist der Median ohnehin aussagekräftiger als der Durchschnitt). CPV-Klassifikation auf Division (zweistellig). Rahmenverträge und Mehr-Lose-Programme können in der Einzelzuschlags-Liste als ein Auftrag mit einem Höchstwert erscheinen — oder, wie beim Glasfaser-Programm dieser Periode, als mehrere Bekanntmachungen desselben Gewinners. Quelle TED, Lizenz CC BY 4.0.
Den vollständigen Mining-Ansatz beschreiben wir im Artikel zu TED CAN Sales Intelligence — wer das selbst nachbauen will, kommt mit einem halben Tag Engineering aus.
Fazit
14 Tage, 1.161 Zuschläge, 1,90 Milliarden Euro, 1.082 unique Gewinnerfirmen. Nach dem Tiefststand der Vorperiode springt das Volumen um 85 Prozent nach oben — auf das höchste reguläre Niveau der Reihe, ohne dass ein einzelnes Mega-Ticket dahintersteht. Die Aktivität bleibt praktisch konstant (+0,8 %); der Sprung steckt in größeren Tickets, breit über die ganze Oberklasse verteilt (die 5–20-Mio-Klasse verdoppelt sich fast). Das Neue an dieser Periode ist die Zusammensetzung: das große Geld ist digital — IT-Beratung (msg systems 213 Mio, EY Consulting 133 Mio, Accenture 86 Mio) und die stark von Telekom und Glasfaser geprägte „Sonstige"-Division (u. a. GlasfaserPlus und die MUENET-Arge mit 158 Mio) stellen zusammen rund 60 Prozent des Volumens, während der Bau zwar die Mengen führt, aber nur ein gutes Viertel des Geldes.
Die Lektion dieser Periode steckt wieder im zweitgrößten Ticket: Ein „158-Mio-Zuschlag" entpuppt sich beim genauen Hinsehen als sechs Lose an dieselbe Glasfaser-Arge — die Zahl an der Spitze ist ein Programmwert, kein Umsatz an einem Stück. Ob Glasfaser-Programm oder klassisches LV: Die TED-Überschrift sagt allenfalls, in welchem Regal ein Auftrag liegt, nicht, was tatsächlich darin steckt — welche Positionen, welche Mengen, welche Anforderungen wirklich gefordert sind, steht allein im Leistungsverzeichnis. Tender Automation analysiert genau diese deutschen Leistungsverzeichnisse Position für Position: Bieter laden ihr LV hoch, das Tool extrahiert die Positionen und identifiziert die relevanten Hersteller. Mehr unter tenderautomation.de. Nächste Ausgabe dieser Reihe: in zwei Wochen.