Tender Automation

· 8 Min Lesezeit · Paul Fel

Deutschland-Vergaben KW 27/2026: 1,03 Milliarden Euro, 1.152 Zuschläge — das Volumen sinkt weiter, aber diesmal breit gestreut: die Spitze löst sich auf, ein Drittel der Aufträge ohne Wert

Siebte Ausgabe unserer 14-tägigen Marktbeobachtung. Wir ziehen die Contract Award Notices aus TED — der offiziellen EU-Datenbank für öffentliche Aufträge — und sortieren, was in Deutschland tatsächlich vergeben wurde: wer hat gewonnen, in welchen Branchen, in welcher Größenordnung. Reine Daten, eigene Einordnung, keine Gerüchte.

Das Bild dieser Periode: ruhig und flach. Das publizierte Gesamtvolumen fällt auf 1,03 Mrd EUR — knapp ein Drittel unter der Vorperiode (KW 25: 1,50 Mrd, −31 %) und der niedrigste Stand dieser Reihe. Anders als beim Rückgang der Vorperiode steckt diesmal aber kein Basiseffekt dahinter: Es fehlt nicht ein einzelnes Mega-Ticket, sondern die gesamte Spitze ist flacher. Der größte Einzelzuschlag macht nur 12,2 Prozent des Volumens aus (Vorperiode: 26,1 %), die fünf größten zusammen nur 31,2 Prozent (Vorperiode: 42,3 %) — die am wenigsten konzentrierte Spitze der gesamten Reihe. Gleichzeitig wird ein Drittel aller Zuschläge (34 %) ganz ohne Auftragswert veröffentlicht — so viel wie in keiner der jüngeren Ausgaben. Die eigentliche Vergabeaktivität bleibt dabei praktisch unverändert: 1.152 Zuschläge (−0,7 %) und 1.080 unterschiedliche Gewinnerfirmen (−0,7 %) liegen minimal unter der Vorperiode.

Die Eckdaten

Erhebungszeitraum: 21. Juni 2026 bis 4. Juli 2026 (14-Tage-Fenster, Daten gezogen am 5. Juli). Quelle: TED API v3, Filterung auf buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Vorperiode = das vorangehende 14-Tage-Fenster (Ausgabe KW 25, 7.–20. Juni). Da wir im 14-Tage-Takt berichten, schließt dieses Fenster nahtlos an die Vorperiode an (die am 20. Juni endete) — es fehlt keine Woche. Eine separate „KW 26"-Ausgabe gibt es nicht; die Tage der Kalenderwoche 26 sind in diesem Fenster enthalten.

KennzahlKW 27/2026Vorperiode (KW 25)
Anzahl Zuschlagsbekanntmachungen1.1521.160 (−0,7 %)
Gesamtvolumen (publizierte Werte)1.028.714.142 EUR1.500.653.534 EUR (−31,4 %)
Eindeutige Gewinner-Firmen1.0801.088 (−0,7 %)
Ø publiziertes Volumen je Zuschlag~0,89 Mio EUR~1,29 Mio EUR (−31,0 %)
Zuschläge ohne publizierten Wert392 (34,0 %)337 (29,1 %)
Zuschläge > 20 Mio EUR911 (−2)

Wichtig zur Einordnung der Volumen-Zahl: Diesmal wird mehr als ein Drittel aller Zuschläge (392 von 1.152) ohne Auftragswert veröffentlicht — der höchste Anteil der jüngeren Ausgaben (Vorperiode: 29,1 %). Die 1,03 Mrd EUR sind also eine besonders vorsichtige Untergrenze: dass sie den Tiefststand der Reihe markieren, liegt auch daran, dass so viele Aufträge ohne Wert gemeldet wurden, nicht nur daran, dass weniger Geld geflossen wäre. Und die Summe ist diesmal ungewöhnlich flach verteilt: Der größte Einzelzuschlag — ein IT-Großzuschlag der SVA System Vertrieb Alexander GmbH über rund 125,8 Mio EUR (siehe unten) — macht 12,2 Prozent des publizierten Volumens aus, die fünf größten Zuschläge zusammen 31,2 Prozent (Vorperiode: 42,3 %, davor 65 %). Die Konzentration an der Spitze, die die ersten Ausgaben dieser Reihe prägte, hat sich damit so weit aufgelöst wie nie.

Branchen-Verteilung

Diesmal zeigen Mengen- und Volumen-Rangliste in unterschiedliche Richtungen — und das ist die Pointe der Periode: Bauleistungen führen zwar klar die Mengen an, stellen aber nicht die größten Tickets. Das große Geld liegt heute in den Dienstleistungen und in der IT:

KategorieZuschlägeVolumenØ je Auftrag
Bauleistungen (CPV 45)434260,2 Mio EUR0,60 Mio EUR
Architektur, Ingenieurwesen, technische Dienstleistungen (CPV 71)185153,6 Mio EUR0,83 Mio EUR
Sonstige160199,8 Mio EUR1,25 Mio EUR
Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt (CPV 90)7584,4 Mio EUR1,13 Mio EUR
Transport, Fahrzeuge (CPV 34)6730,6 Mio EUR0,46 Mio EUR

Die fünf mengenstärksten Kategorien decken zusammen 921 der 1.152 Zuschläge (79,9 %) ab — aber nur rund 729 Mio EUR und damit 70,8 Prozent des publizierten Volumens. („Sonstige" ist dabei keine Rest-Sammlung, sondern TEDs eigene Division „Other".) Das ist ein kleiner, aber aufschlussreicher Bruch: Anders als in der Vorperiode, in der die mengenstärksten Branchen auch 89 Prozent des Volumens stellten, liegt diesmal fast ein Drittel des publizierten Geldes (rund 300 Mio EUR) in Kategorien, die es mengenmäßig nicht unter die ersten fünf schaffen. Allen voran „Software, Informationssysteme": Zwei der fünf größten Tickets überhaupt — SVA (rund 125,8 Mio) und CANCOM (30,2 Mio) — fallen in diese Division, die zu wenige Einzelzuschläge hat, um in der Mengen-Rangliste aufzutauchen. IT vergibt selten, aber teuer.

Bauleistungen führen die Mengen mit 434 Zuschlägen (37,7 %) und auch die Kategorie-Volumen-Rangliste mit 260,2 Mio EUR an — das sind aber nur 25,3 Prozent des Gesamtvolumens, ein völlig normaler, unspektakulärer Bau-Anteil. Das ist das genaue Gegenteil der Vorperiode, in der ein einziges Schleusen-Bauticket den Bau-Anteil auf 55,8 Prozent des Volumens hob. Diesmal ist der Bau breit und kleinteilig (0,60 Mio EUR je Auftrag, der niedrigste Kategorie-Schnitt neben Transport), während die wenigen großen Tickets in Ingenieurleistungen, IT und Umwelt liegen.

Top 10 aktivste Bidder

Wer hat in den 14 Tagen die meisten Zuschläge eingefahren? Aggregation pro Gewinner über alle 1.152 Bekanntmachungen. Die Volumen-Spalte zeigt den publizierten Wert aller Zuschläge des jeweiligen Gewinners — bei Rahmenverträgen und Mehrfach-Lose oft nur ein Bruchteil der tatsächlichen Auftragssumme.

#GewinnerWinsVolumen (publiziert)Hauptbranche
1Siemens AG53,35 Mio EURBau
2SVA System Vertrieb Alexander GmbH3126,23 Mio EURIT, Informationssysteme
3Ullrich & Schön GmbH32,17 Mio EURBau
4SPOMA Parkett und Ausbau GmbH32,10 Mio EURBau (Parkett, Ausbau)
5conpro Innenausbau GmbH31,79 Mio EURBau (Innenausbau)
6sysGen GmbH31,66 Mio EURIT, Informationssysteme
7Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH31,31 Mio EURIngenieurwesen
8Gebrüder Peters Gebäudetechnik SE31,29 Mio EURTechnische Gebäudeausrüstung
9Lindner SE30,83 Mio EURBau (Innenausbau, Fassade)
10Albert Ziegler GmbH30,82 Mio EURFeuerwehrfahrzeuge

An der Spitze steht diesmal die Siemens AG mit fünf Zuschlägen (unter „Bauleistungen" geführt, mit hoher Wahrscheinlichkeit Gebäude- und Elektrotechnik über mehrere Standorte) — allerdings mit vergleichsweise kleinem publiziertem Volumen (3,35 Mio EUR). Das mit Abstand wertdichteste Paket hält SVA System Vertrieb Alexander (IT-Systemhaus, Wiesbaden) auf Platz 2: drei Wins über zusammen 126,2 Mio EUR — wobei davon rund 125,8 Mio auf einen einzigen Zuschlag entfallen (siehe Einzelzuschläge). Die übrigen beiden Wins liegen zusammen unter einer halben Million; ein einzelner Großauftrag trägt hier fast die gesamte Volumen-Zahl.

Auffällig ist das Mittelfeld: Gleich vier Ausbau- und Innenausbau-Firmen (Ullrich & Schön, SPOMA Parkett, conpro Innenausbau, Lindner SE) stehen mit je drei Zuschlägen in den Top 10 — das kann auf eine Häufung von Ausbau-Losen im Hochbau hindeuten. Dazwischen ein zweites IT-Systemhaus (sysGen), die Ingenieurgesellschaft Schüßler-Plan (die auch im großen Projektsteuerungs-Rahmen unten wieder auftaucht) und die Gebäudetechnik von Gebrüder Peters. Ein schönes Beispiel für die Tücke der TED-Kategorien liefert Platz 10: Die Albert Ziegler GmbH steht unter „Transport, Fahrzeuge" — die Kategorie stimmt sogar, verrät aber nicht, dass Ziegler einer der bekanntesten deutschen Feuerwehrfahrzeug-Hersteller ist. Aus „Transport, Fahrzeuge" würde niemand auf Löschfahrzeuge schließen.

Top 5 größte Einzelzuschläge

Die Brocken der Periode. Auffällig: keiner der fünf ist ein reiner Bauauftrag — die Spitze ist diesmal komplett Dienstleistung und IT. Das exakte Spiegelbild der Vorperiode, in der vier der fünf größten Zuschläge Bau-, Infrastruktur- oder Mobilitätsvergaben waren.

  1. rund 125,8 Mio EUR · IT, Informationssysteme — die SVA System Vertrieb Alexander GmbH, ein großes IT-Systemhaus aus Wiesbaden. Größenordnung und Geschäftsfeld sprechen für einen mehrjährigen Hardware-/Software- bzw. Rechenzentrums-Rahmenvertrag; das konkrete Beschaffungsobjekt nennt die Bekanntmachung nicht im Detail. Mit Abstand der größte Zuschlag der Periode — aber nur 12,2 % des Gesamtvolumens.
  2. 105,0 Mio EUR · Architektur, Ingenieurwesen — ein Rahmenvertrag für Projektsteuerungsleistungen (Vergabe-Referenz 25FEI82659), vergeben an eine sehr große Bietergemeinschaft aus Dutzenden Ingenieur- und Projektsteuerungsbüros (u. a. Schüßler-Plan, Drees & Sommer, Sweco, Arup, INROS LACKNER, OBERMEYER, DB Engineering & Consulting). Mehr dazu im Spotlight unten — die runde 105-Mio-Summe ist ein Rahmen-Höchstwert, kein Einzelgewinn.
  3. 31,8 Mio EUR · Abwasser, Abfall, Umwelt — die Veolia Klärschlammverwertung Deutschland GmbH. Größenordnung und Firmenzweck sprechen für einen mehrjährigen Vertrag zur Klärschlammverwertung bzw. -verbrennung.
  4. 30,2 Mio EUR · IT, Informationssysteme — die CANCOM GmbH (gemeinsam mit dem System-Haus Dresden), ein weiteres großes IT-Systemhaus. Der zweite IT-Großzuschlag in den Top 5 dieser Periode.
  5. 28,6 Mio EUR · Reinigung, Umwelt — ein Konsortium mehrerer Gebäudereiniger (u. a. everclean!, gepe Gebäudedienste PETERHOFF, Götz-Gebäudemanagement RMG, interclean-service). Die Zusammensetzung deutet auf einen breiten Gebäudereinigungs-Rahmenvertrag mit mehreren Losen hin.

Die fünf größten Zuschläge summieren sich auf rund 321 Mio EUR — 31,2 Prozent des gesamten publizierten Volumens (Vorperiode: 42,3 %, die Ausgabe davor: 65 %) — der niedrigste Wert der Reihe. Und die Spitze hat erneut das Vorzeichen gewechselt: Nach der bau-dominierten Vorperiode ist diesmal kein einziger der fünf Brocken ein Bauauftrag — zweimal IT, einmal Ingenieur-Rahmen, einmal Klärschlamm, einmal Gebäudereinigung. Wie stark die Spitze von Ausgabe zu Ausgabe zwischen Bau, IT und Dienstleistung pendelt, ist selbst einer der stabilsten Befunde dieser Reihe.

Spotlight: 105 Mio EUR Projektsteuerungs-Rahmen — wenn ein „Einzelzuschlag" in Wahrheit ein Verzeichnis aus Dutzenden Firmen ist

Der zweitgrößte Zuschlag der Periode ist in TED als ein Auftrag über 105,0 Mio EUR unter Architektur, Ingenieurwesen eingeordnet — aber schon der Gewinner-Eintrag macht stutzig: Statt eines Unternehmens listet die Bekanntmachung Dutzende Ingenieur- und Projektsteuerungsbüros auf, viele davon mehrfach. Dahinter steht ein Rahmenvertrag für Projektsteuerungsleistungen (Vergabe-Referenz 25FEI82659), bei dem nicht ein Bieter „gewinnt", sondern eine ganze Reihe von Rahmenpartnern über mehrere Lose bezuschlagt wird.

Was die runde Summe und die Kategorie nicht verraten, ist die Art des Programms — die liest man erst am Roster ab. Die Zusammensetzung ist auffällig schienen- und infrastrukturlastig:

  • Schüßler-Plan, Sweco, OBERMEYER, INROS LACKNER, Vössing, THOST — große Ingenieur- und Projektsteuerungshäuser für Verkehrs- und Infrastrukturbau.
  • DB Engineering & Consulting, RPS Rail Project Services, ICL Rail, Bahnkonzept, G & B Rail — ausgesprochene Bahn- und Schieneninfrastruktur-Spezialisten.
  • Drees & Sommer, Arup, Accenture — Beratung und Projektmanagement für Großvorhaben.

Die dichte Häufung von Bahn-Spezialisten legt ein Schienen- oder Verkehrsinfrastruktur-Programm nahe — welches genau, in welchen Losen und mit welchem Leistungsumfang, steht weder in der Kategorie noch in der 105-Mio-Summe. Genau das ist die wiederkehrende Lektion dieser Reihe, hier in besonders reiner Form: ein „größter Einzelzuschlag" in der TED-Rangliste kann in Wahrheit ein Sammel-Rahmen aus Dutzenden Firmen sein — die Zahl an der Spitze ist ein Höchstwert, kein Umsatz, den ein Unternehmen einfährt. Wer aus solchen Bekanntmachungen echte Schlüsse ziehen will, muss hinter die Überschrift schauen: auf die Lose, die Partner und die tatsächlich beschriebene Leistung.

Hinweis zur Quelle: Firmen, Auftragswert und CPV-Einordnung stammen aus der TED-Bekanntmachung. Die Deutung als Schienen-/Infrastrukturprogramm ist unsere Interpretation auf Basis der beteiligten Büros, keine wörtliche Angabe aus dem Vergabevermerk. Die 105,0 Mio EUR sind der publizierte (Rahmen-)Wert der Bekanntmachung, nicht der Umsatz eines einzelnen Gewinners.

Wert-Verteilung — wo das Volumen tatsächlich liegt

Die Vergabe-Realität für die meisten Bieter findet sich in den unteren und mittleren Wert-Klassen, nicht bei den großen Tickets:

Wert-KlasseAnzahl ZuschlägeAnteilVorperiode (KW 25)
< 100k €20317,6 %225
100k - 500k €28825,0 %335
500k - 1 Mio €13511,7 %89
1 - 5 Mio €1028,9 %132
5 - 20 Mio €232,0 %31
> 20 Mio €90,8 %11
Wert nicht publiziert39234,0 %337

Die auffälligste Bewegung steht ganz unten: 392 Zuschläge (34,0 %) werden ohne Wert veröffentlicht — 55 mehr als in der Vorperiode und der höchste Anteil der jüngeren Ausgaben. Ein wachsender Teil des Marktes verschwindet damit schlicht aus der Volumen-Statistik. Das ist der wichtigste Vorbehalt zur 1,03-Mrd-Schlagzeile: Der Tiefststand der Reihe ist zu einem Teil ein Melde-Effekt, kein reiner Nachfrage-Effekt.

In den publizierten Klassen normalisiert sich die Mittelstand-Zone: Die 100.000–500.000-EUR-Klasse fällt von ihrem KW-25-Rekord (335) zurück auf 288 — mitten in ihr langjähriges Band (über die Reihe zwischen 281 und 307, mit dem 335er-Ausreißer der Vorperiode). Die Vermutung aus der letzten Ausgabe, dass die 335 ein einmaliger Ausschlag und kein neuer Trend waren, bestätigt sich damit. Bemerkenswert ist dafür die 500k–1-Mio-Klasse, die deutlich zulegt (89 → 135): Ein Teil der Aktivität hat sich diese Periode eine Stufe nach oben verschoben. An der oberen Kante geben sowohl die Klasse über 20 Mio EUR (11 → 9) als auch die 5–20-Mio-Klasse (31 → 23) leicht nach — passend zur flacheren Spitze.

Was im Sieben-Perioden-Vergleich auffällt

1. Das Volumen fällt auf den Tiefststand der Reihe — aber die Aktivität nicht. Das publizierte Gesamtvolumen sinkt von 1,50 auf 1,03 Mrd EUR (−31 %) und liegt damit unter allen bisherigen Ausgaben (bisheriger Tiefstwert: KW 13/14 mit 1,3 Mrd). Zugleich bleiben Anzahl der Zuschläge (−0,7 %) und Gewinner (−0,7 %) praktisch konstant. Der Rückgang steckt nicht in weniger Aufträgen, sondern in kleineren Tickets — und teils darin, dass mehr Aufträge ohne Wert gemeldet wurden.

2. Die Spitze löst sich auf. Der größte Einzelzuschlag stellt nur 12,2 % des Volumens, die Top 5 nur 31,2 % — beides die niedrigsten Werte der Reihe. Nach der extremen Konzentration der Ausgabe KW 23 (Top 5 = 65 %) ist der Markt an der Spitze so breit verteilt wie nie. Kein einzelnes Mega-Ticket dominiert.

3. Ein Drittel der Aufträge wird ohne Wert gemeldet. Mit 34 % erreicht der Anteil der Zuschläge ohne publizierten Wert den höchsten Stand der jüngeren Ausgaben. Für jede Volumen-Aussage heißt das: Die publizierte Summe ist diesmal eine besonders konservative Untergrenze — der tatsächliche Marktwert liegt spürbar höher.

4. Die Spitze hat wieder das Vorzeichen gewechselt. Nach der bau-dominierten Vorperiode (vier der fünf größten Zuschläge waren Bau/Infrastruktur/Mobilität) ist diesmal kein einziger der fünf Brocken ein Bauauftrag — zweimal IT, einmal Ingenieur-Rahmen, einmal Klärschlamm, einmal Gebäudereinigung. Der Bau führt weiter die Mengen, aber das große Geld liegt diese Periode in Dienstleistung und IT. Dieses Pendeln zwischen Bau und IT von Ausgabe zu Ausgabe ist selbst ein Befund der Reihe.

Methodologie

Daten gezogen via TED API v3, gefiltert auf publication-date in den letzten 14 Tagen mit buyer-country=DEU, nur publizierte Contract Award Notices. Aggregation pro Gewinner über Firmenname (mit weichem Fuzzy-Matching, damit Schreibvarianten desselben Unternehmens zusammenfallen). Volumina sind die offiziell publizierten Auftragswerte; nicht-publizierte Werte fließen nicht in die Gesamt-Volumen-Zahl ein. Da 392 von 1.152 Zuschlägen (34 %) ohne Wert veröffentlicht werden, ist das publizierte Gesamtvolumen eine Untergrenze. „Ø publiziertes Volumen je Zuschlag" = publiziertes Gesamtvolumen geteilt durch die Anzahl aller Zuschläge (Aufträge ohne Wert ziehen den Schnitt rechnerisch nach unten — die Kennzahl misst Volumen-Intensität pro Auftrag, nicht den typischen Auftragswert; bei einer so kopflastigen Verteilung wie hier ist der Median ohnehin aussagekräftiger als der Durchschnitt). CPV-Klassifikation auf Division (zweistellig). Rahmenverträge können in der Einzelzuschlags-Liste als ein Auftrag mit einem Höchstwert erscheinen, obwohl mehrere Rahmenpartner bezuschlagt werden. Quelle TED, Lizenz CC BY 4.0.

Den vollständigen Mining-Ansatz beschreiben wir im Artikel zu TED CAN Sales Intelligence — wer das selbst nachbauen will, kommt mit einem halben Tag Engineering aus.

Fazit

14 Tage, 1.152 Zuschläge, 1,03 Milliarden Euro, 1.080 unique Gewinnerfirmen. Nach der bau-getriebenen Vorperiode wird der Markt ruhig und flach: Das Volumen fällt auf den Tiefststand der Reihe (−31 %), aber die Aktivität bleibt konstant (Anzahl −0,7 %). Der Rückgang steckt nicht in weniger Aufträgen, sondern in kleineren Tickets und darin, dass ein Drittel der Aufträge ohne Wert gemeldet wird. Die Spitze löst sich auf wie nie: Der größte Einzelzuschlag stellt nur 12,2 % des Volumens, und kein einziger der fünf größten Zuschläge ist ein Bauauftrag — die großen Tickets liegen diesmal in IT (SVA, rund 125,8 Mio EUR; CANCOM, 30,2 Mio), im Projektsteuerungs-Rahmen und in der Umwelt.

Die Lektion dieser Periode steckt im zweitgrößten Ticket: Ein „105-Mio-Einzelzuschlag" entpuppt sich beim genauen Hinsehen als Sammel-Rahmen aus Dutzenden Ingenieurbüros — die Zahl an der Spitze ist ein Höchstwert, kein Umsatz. Ob Rahmen oder klassisches LV: Die TED-Überschrift sagt allenfalls, in welchem Regal ein Auftrag liegt, nicht, was tatsächlich darin steckt — welche Positionen, welche Mengen, welche Anforderungen wirklich gefordert sind, steht allein im Leistungsverzeichnis. Tender Automation analysiert genau diese deutschen Leistungsverzeichnisse Position für Position: Bieter laden ihr LV hoch, das Tool extrahiert die Positionen und identifiziert die relevanten Hersteller. Mehr unter tenderautomation.de. Nächste Ausgabe dieser Reihe: in zwei Wochen.

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